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Wenn Träume unbequem werden
Im Matthäusevangelium wird von einem Mann erzählt, der kaum spricht. Keine Erklärungen, keine Rechtfertigungen, kein innerer Monolog. Er träumt – und richtet danach sein Handeln aus. Der Mensch wurzelt im Traum, wächst in die Wirklichkeit, verästelt sich in der Erinnerung. Und irgendwo dazwischen verliert er sich manchmal selbst. Wer glaubt, Träume seien nur Schäume, unterschätzt ihre Arbeit. Sie sind kein Kino, sie sind Werkstatt. Sie bereiten vor, ohne zu erklären. Sie sc
christophmatthes86
30. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Arbeit der Träume
Träume haben keinen guten Ruf. Sie gelten als unzuverlässig, verschwommen, unerquicklich unpraktisch. Etwas für Künstler, Kinder und Menschen, die „nicht ganz bei der Sache“ sind. Wer erwachsen ist, so die unausgesprochene Regel, sollte aufhören zu träumen und anfangen zu funktionieren. Merkwürdig nur, dass genau dann, wenn alles zu funktionieren scheint, die Träume lauter werden. Oder vielleicht ist es umgekehrt: Man funktioniert nur deshalb, weil sich Träume heimlich ins
christophmatthes86
30. Dez. 20254 Min. Lesezeit
Neue Töne
Zwischen den Jahren wird gern neu gestimmt. Plötzlich klingen alle etwas weicher. Dankbarer. Einsichtiger. Man spricht von Abschlüssen, von Auflösen, von Neuanfängen. Manche nennen es Rauhnächte, andere Jahresreflexion, wieder andere einfach schlechtes Gewissen mit Kerzenschein. Es ist diese Zeit, in der Menschen Dinge sagen, die sie elf Monate lang sehr zuverlässig nicht gesagt haben. Und Dinge tun, die auffallen – gerade weil sie sonst fehlen. Eine Nachricht. Ein freundlich
christophmatthes86
28. Dez. 20252 Min. Lesezeit


New Day will rise
Es ist noch Nacht, wenn ich losgehe. Diese Nacht, in der der Wecker eindeutig anderer Meinung ist als ich. Der Brocken liegt irgendwo über mir – unsichtbar, unbeeindruckt, souverän. Zum achten Mal dieses Jahr. Und er tut jedes Mal so, als wäre ich neu. Im Ohr dieses Lied. Nicht als Motivation, eher als leises Augenzwinkern. New day will rise. Klingt groß. Fühlt sich auf den ersten Metern eher nach kalten Fingern und müden Knien an. Aber gut – große Wahrheiten beginnen selten
christophmatthes86
27. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Gehalten im Bleiben und Gehen
Ein Kind, das nicht von ihm war. Ein Weg, der anders verlief als angekündigt. Ein Leben, das sich nicht erklären ließ, ohne dass andere mitredeten. Josef hätte viele Gründe gehabt zu gehen. Er blieb. Nicht, weil alles klar, einfach und schön war. Sondern weil Verantwortung manchmal dort beginnt, wo Gewissheit fehlt. Er war nicht der leibliche Vater. Aber er war da. Hat getragen, geschützt, organisiert, geschwiegen. Und akzeptiert, dass immer wieder von dem Vater gesprochen wu
christophmatthes86
25. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Wo Stärke wächst
Hoffnung ist gerade so schwer zu finden. Man sucht sie, schaut nach links und fühlt sich blind für Perspektiven, die weiterbringen könnten. Es gibt keinen Schmerz nur über zwölf Runden, keinen Gong, der einen aus dem Kampf befreit. Auch keine Zeit, die Wunden heilt – bei jedem falschen Wort reißen sie erneut auf. Das Glück steht oft hinter Gittern, bretthart, und man kauert stumm in einer Nische namens „Warum?“. Ein Jahr hat manchmal nur vier Winter, und selbst der kleinste W
christophmatthes86
23. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Wenn Leidenschaft leidet und Leiden schafft
Es gibt Momente, da sitzt man mitten auf seinem Weg und fragt sich, wann genau man eigentlich falsch abgebogen ist. Kein Donnerschlag. Kein brennender Dornbusch. Eher ein höfliches Räuspern des Lebens. Ein „Entschuldigung, sind Sie hier noch richtig?“ Der Weg wurde nicht verlassen. Er wurde unterbrochen. Wegen Terminen. Wegen Verantwortung. Wegen dieses harmlos klingenden Satzes: Jetzt gerade nicht. Und wie das so ist – aus „nicht jetzt“ wird „irgendwann“. Und aus „irgendwann
christophmatthes86
23. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Vom Ernst der Kerzen und der Unfähigkeit des Jahres, uns kleinzukriegen
Es ist der Moment im Jahr, in dem das Dunkel seinen Höhepunkt überschritten hat – auch wenn man es noch nicht sieht. Dieses Jahr hatte viele Talente. Es konnte laut sein. Es konnte anstrengend sein. Und es hatte eine erstaunliche Begabung dafür, Menschen davon zu überzeugen, dass „später“ ein tragfähiges Lebenskonzept sei. Später reden wir in Ruhe. Später achten wir wieder mehr aufeinander. Später kümmern wir uns um das, was sich gerade komisch anfühlt. Später – das große Ver
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21. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Ein Duett, das keiner (mehr) hört
Vielleicht ist Entzweiung nicht das Ende einer Liebe. Vielleicht ist sie ihr Fieber. Ein Zeichen dafür, dass etwas fehlt, obwohl noch alles da ist. Man lebt nebeneinander. Man kennt die Abläufe. Man weiß, wann der andere müde ist, wann Termine drücken, wann der Alltag wieder einmal alles auffrisst. Und trotzdem bleibt dieser leise Gedanke: Warum scheint für andere mehr Zeit zu sein als für mich? Zeit hat man nicht, heißt es. Zeit nimmt man sich. Oder eben nicht. Man nimmt sie
christophmatthes86
20. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Der leise Glanz des Alltäglichen
Es gibt Menschen, die leisten Unglaubliches, ohne es jemals so zu nennen. Ihre Tage beginnen nicht mit Pathos und enden nicht mit Applaus. Sie beginnen einfach. Und sie hören auf, wenn alles erledigt ist. Oder wenn nichts mehr geht. Man sieht ihnen nicht an, wie lang die Woche war. Man hört es nicht in ihrer Stimme. Man ahnt es höchstens zwischen zwei Terminen, zwischen Müdigkeit und einem Lächeln, das trotzdem bleibt. Was da geleistet wird, trägt keinen Titel. Es ist keine F
christophmatthes86
20. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Was bleibt, wenn man fliegt
Es gibt Tage, an denen sich das Leben anfühlt, als würde es sich kurz lösen vom Boden, nicht weil alles leicht ist, sondern weil jemand da ist, der den Mut hat, Raum zu geben. Raum für Bewegung, für Tempo, für Höhenflüge, für diese innere Unruhe, die nicht fliehen will, sondern wachsen. Dann liegt die Sonne im Gesicht, hoch über den Dächern, und für einen Moment verliert die Welt ihr Gewicht, als hätte sie beschlossen, sich nicht einzumischen. In solchen Augenblicken stellt s
christophmatthes86
18. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Dankbarkeit jenseits des Machbaren
Es gibt Jahre, in denen man weiterkommt, als man es je geplant hätte. Nicht, weil alles richtig entschieden wurde. Nicht, weil alles kontrollierbar war. Sondern, weil getragen wurde – auch dort, wo man selbst gezögert hat. Ein Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein Jahr, das zu Beginn keinen klaren Weg erkennen ließ. Nicht alles war leicht. Nicht alles sicher. Aber vieles ist gegangen – Schritt für Schritt. Von Menschen. Von Geduld. Und von einem Vertrauen, das oft erst dann da
christophmatthes86
13. Dez. 20252 Min. Lesezeit
Es lohnt sich, die Sachen leicht zu nehmen – ohne sie sich zu einfach zu machen
Es gibt Sätze, die so unscheinbar daherkommen, dass man sie fast in einer Sprachnachricht überhört. Und dann bleibt man plötzlich hängen, weil man spürt: Da steckt mehr drin, als man auf den ersten Blick sieht. Dieser Satz gehört dazu: „Es lohnt sich, die Sachen leicht zu nehmen, ohne sie sich zu einfach zu machen.“ Vielleicht ist das sogar einer der Sätze, den wir heutzutage am dringendsten brauchen. Wir leben in einer Zeit, in der vieles gleichzeitig schwer und erstau
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8. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Ein Abschied, der keiner sein will
Der letzte Morgen in Tel Aviv fühlte sich an wie der Moment nach einem Gewitter: Die Luft war klar, aber schwer. Die Sonne stand über dem Meer, als wäre hier alles normal – dabei hatte diese Woche unser Inneres so sehr durcheinandergebracht, dass „normal“ plötzlich ein Wort ohne Bedeutung war. 7:30 Uhr Frühstück, 8:00 Uhr Abschlussrunde, 9:30 Uhr Bus zum Flughafen. Ein Tag, der nach Routine klingt – und sich doch wie ein Finale anfühlte. Ein Frühstück zwischen zwei Welten
christophmatthes86
21. Nov. 20258 Min. Lesezeit
Zwischen Stärke, Erinnerung und der Frage, wer wir sein wollen
Der fünfte Tag begann leiser. Nicht, weil weniger Programm anstand – sondern weil in mir weniger Worte übrig waren. Die Tage davor hatten Spuren hinterlassen, und trotzdem merkte ich beim Frühstück: Israel hat immer noch mehr zu erzählen, mehr zuzumuten, mehr zu offenbaren. World Jewish Sports Museum – Stärke in einer anderen Sprache Um 9:30 Uhr standen wir im World Jewish Sports Museum, dem einzigen seiner Art weltweit. Ein Museum, das nicht von Schmerz erzählt – sondern v
christophmatthes86
20. Nov. 20254 Min. Lesezeit
Zwischen Asche, Hoffnung und der Erkenntnis, dass Leben immer weitergeht
Der vierte Tag begann mit einem Widerspruch, der in Israel fast alltäglich ist und trotzdem jedes Mal schmerzt: Draußen über Tel Aviv lag ein stiller, glitzernder Sommermorgen — drinnen im Hotelzimmer lag ein Tagesplan, der wusste, dass Schönheit und Schrecken in diesem Land immer nur eine Straße voneinander entfernt sind. Um 7 Uhr Frühstück. Obst, Eier, Meerblick — als wäre die Welt heil. Um 7:30 Uhr Lunchpakete, Bus, Mikrofon. Und dann wieder diese Stimme von Corinne Gold
christophmatthes86
19. Nov. 202510 Min. Lesezeit
Zwischen dem Haus des Präsidenten, Bibliothek der Welt und der Tanz in den Tod
Der dritte Tag begann nicht mit dem offiziellen Programm, sondern mit einer Suche. Ich wollte in einen Morgengottesdienst an der Via Dolorosa, irgendwo zwischen der ersten und zweiten Station des Kreuzwegs. Es klang in meinem Kopf so logisch: Wenn man schon hier ist, dann muss man doch den Tag mit einem Gebet beginnen, mit einem Stück Liturgie, mit etwas, das diesen Ort innerlich sortiert. Nur: Ich habe die Kirche nicht gefunden. Enge Gassen, geschlossene Türen, Schilder, die
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18. Nov. 20258 Min. Lesezeit
Ein Tag, der Jerusalem in die Seele schreibt
Der zweite Tag begann früh, aber nicht schwer. Der Blick aus dem Fenster zeigte eine Stadt, die selbst im Morgenlicht wirkt, als sei sie gleichzeitig Jahrtausende alt und doch gerade erst erwacht. Beim Frühstück war die Stimmung leise, fast erwartungsvoll – als hätte jeder geahnt, dass dieser Tag etwas mit uns machen würde. Die erste Station war das Tower of David Museum . Ein Ort, der eigentlich ein ganzes Buch ist: Steine, die römische, byzantinische, osmanische Fingerabdrü
christophmatthes86
17. Nov. 202510 Min. Lesezeit
Ankunft in einem Land, das sich sofort unter die Haut schreibt
TAG 1 der Delegationsfahrt nach Israel Manchmal beginnt eine Reise nicht am Flughafen. Manchmal beginnt sie mit einem einzigen Satz. Wir hatten gerade unsere Plätze eingenommen, das Flugzeug brummte leise, ein paar Menschen klappten ihre Laptops auf, jemand suchte in der Tasche nach Kopfhörern. Und dann trat der israelische Botschafter in die Kabine. Kein Protokoll, keine große Kulisse – nur ein Mann, der wusste, was diese Reise bedeutete. Er sah uns an und sagte: „Ihr seid d
christophmatthes86
16. Nov. 20253 Min. Lesezeit
Das leise Wunder, das wir nicht sehen wollen
Es klingt unbequem, aber: Uns fehlt nicht der Grund zum Optimismus – uns fehlt der Leichtsinn, ihn überhaupt zuzulassen. Wir reden uns ein, die Lage im Land sei „so schlecht wie noch nie“. Doch dieses Gefühl liegt nicht an der Realität, sondern an unserem Mut, vergangene Erfolge ehrlich zu betrachten – und zwar mit einem echten Blick, kein nostalgisch weichgezeichneter. Damals wurde unfassbar viel gearbeitet. Menschen haben sich sprichwörtlich kaputtgeschuftet. Arbeitszeite
christophmatthes86
16. Nov. 20252 Min. Lesezeit
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