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Standard. Nicht Drama.

  • christophmatthes86
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Meine Grenze ist kein Drama.

Sie kommt ohne Soundtrack, ohne Träne im Augenwinkel und ohne pädagogisches Begleitheft.

Sie ist ein Standard.

So wie ein Mindesthaltbarkeitsdatum.

Oder Schwerkraft.


Ich erkläre sie nicht fünfmal.

Ich übersetze sie nicht in „weich“.

Ich lackiere sie nicht rosa und binde keine Schleife drum, damit sie besser aussieht.

Ich sage auch nicht mehr: „Ist ja eigentlich nicht so schlimm.“

Doch. Wenn es mich stresst, ist es schlimm genug. Punkt.


Das ist keine Empfindlichkeit.

Das ist Wartung und Gedankenhygiene.


Früher habe ich geglaubt, Grenzen müssten verständlich sein, damit sie gültig sind.

Dass man sie begründen, erklären, beweisen müsse – am besten mit PowerPoint, Quellenangaben und emotionaler Nachbereitung.

Heute weiß ich: Alles, was man rechtfertigt, wird verhandelbar.

Und meine Würde steht nicht zur Auktion.


Ich muss niemanden überzeugen.

Ich muss niemanden „mitnehmen“.

Ich muss niemanden für mich gewinnen.

Ich muss nur mich halten.

Der Rest ist wahnsinniger Beifang.


Und ja, das ist der Moment, an dem manche nervös werden.

Menschen, die dich nur respektieren, wenn du laut wirst, haben dich nie mit deinen Werten und Visionen respektiert.

Sie haben nur auf Druck reagiert.

Auf Eskalation.

Auf die Angst, dass du irgendwann unbequem wirst.


Aber ich bin nicht Druck.

Ich bin Klarheit.

Absolute Klarheit.

Schonungslose Wahrheit.


Ich sage Nein.

Und ich bleibe da.

Ohne Erklärung.

Ohne Schuldgefühl.

Ohne diesen letzten Satz, der alles wieder relativiert, damit sich niemand schlecht fühlt – außer mir selbst.


Das ist übrigens keine Härte.

Das ist Reife.


Religiös gesprochen – und ich meine das ganz unironisch – ist das keine Abkehr vom Nächsten.

Es ist die Rückkehr zum Maß. Zur Mitte. Zur eigenen Balance.

Schon die alten Texte wussten: Wer alles zulässt, verliert sich.

Und wer sich verliert, kann niemandem wirklich dienen.

Nicht Gott.

Nicht dem Leben.

Nicht einmal dem eigenen Anspruch.


Liebe deinen Nächsten – ja.

Aber nicht auf Kosten deiner inneren Statik.

Auch Tempel hatten Mauern.

Nicht, um auszugrenzen, sondern um etwas Heiliges zu schützen.


Zynisch betrachtet ist es ohnehin absurd, wie empört Menschen reagieren, wenn man plötzlich nicht mehr wie gewohnt verfügbar ist. Nicht mehr bittet, bettelt, einfordert oder treibt.

Als hätte man heimlich den Liefervertrag gekündigt.

Als hätte man jahrelang kostenlos Strom geliefert und nun den Schalter umgelegt.

Skandal!

Grenze!

Charakteränderung!

Nein. Nur Selbstachtung mit Update.


Denn das hier ist kein Rückzug.

Es ist ein Versionswechsel.


Meine Grenze steht nicht, weil ich hart geworden bin.

Sondern weil ich erwachsen geworden bin.

Weil ich verstanden habe, dass Frieden kein Bonus ist, sondern eine Führungsaufgabe.

Und dass Klarheit oft freundlicher ist als jedes Lächeln, das man sich abringt.


Wer das versteht, bleibt.

Wer es nicht versteht, geht.

Beides ist Ordnung.


Und das ist das eigentlich Hoffnungsvolle daran:

Grenzen zerstören keine Beziehungen.

Sie sortieren sie.


Und nur damit das klar ist:

Ich reg mich nicht auf.

Die anderen regen mich auf.

Und ja – man kann sich den ganzen Tag über alles Mögliche aufregen.

Muss man aber nicht.

 
 
 

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