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Vielleicht
Vor ein paar Jahren hätte ich Menschen, die freiwillig morgens halb fünf aufstehen, um laufen zu gehen, vermutlich für leicht verrückt gehalten. Heute gehöre ich selbst zu dieser Gruppe und stelle fest, dass Verrücktheit manchmal einfach nur eine Frage der Perspektive ist. Denn wenn man ehrlich ist, ergibt das Ganze wenig Sinn. Da klingelt ein Wecker zu einer Uhrzeit, zu der selbst die Sonne noch überlegt, ob sich Aufstehen wirklich lohnt. Man zieht Kleidung an, die erstaunli
christophmatthes86
vor 6 Stunden3 Min. Lesezeit
Die Welt retten
Neulich hörte ich eine Geschichte über eine Frau in einem Hotel. Keine spektakuläre Geschichte. Keine Geschichte über Heldentum, Weltrettung oder irgendwelche Menschen, die mit dramatischer Musik im Hintergrund die Menschheit vor dem Untergang bewahren. Es ging um eine Seife. Diese kleinen Hotelseifen, die ungefähr so groß sind wie die Geduld eines Menschen im Kundenservice kurz vor Feierabend. Die Frau packte eine bereits benutzte Seife sorgfältig ein. Jemand fragte sie: „Wa
christophmatthes86
1. Juni3 Min. Lesezeit
Wer sagt?
Ich dachte immer, Erwachsensein bedeutet irgendwann anzukommen. Nicht mehr so viel zweifeln. Nicht mehr so viel suchen. Nicht mehr nachts wachliegen und das Gefühl haben, dass das eigene Leben irgendwie gleichzeitig zu schnell und zu langsam läuft. Irgendwann dachte ich: „Wenn du das alles erst einmal geregelt hast, dann wird’s ruhig.“ Spoiler: Wird es nicht. Denn das Verrückte am Leben ist, dass Probleme erstaunlich kreativ darin sind, sich gegenseitig abzulösen. Kaum hat ma
christophmatthes86
25. Mai3 Min. Lesezeit
Außer Form
Vielleicht beginnt Erwachsenwerden nicht damit, endlich „in Form“ zu kommen. Sondern damit, aus den falschen Formen herauszuwachsen. Das Absurde daran ist ja: Als Kind ist „rausgewachsen“ fast immer etwas Gutes. Die Hose zu kurz. Die Schuhe zu klein. Der Pullover spannt plötzlich an den Armen. Menschen lächeln dann stolz und sagen: „Na schau mal einer an. Du wächst.“ Später klingt derselbe Satz plötzlich wie ein Problem. „Ich passe da nicht mehr rein.“ Und meistens denken Men
christophmatthes86
23. Mai2 Min. Lesezeit
Nur ein Löffel
Vielleicht ist das wirklich die verkehrte Welt. Dass Menschen morgens in den Spiegel schauen wie Kunden an einer Hotelrezeption. Mit dieser stillen Erwartung: „So. Mach mal, dass ich mich heute besser fühle.“ Und wenn das Spiegelbild dann müde aussieht, genervt oder leer, reagieren wir beleidigt, als hätte der Spiegel aktiv beschlossen, heute schwierig zu sein. Neulich stand ich nachts in der Küche und löffelte Nutella direkt aus dem Glas. Diese großen Gläser wirken nachts üb
christophmatthes86
22. Mai3 Min. Lesezeit
Verlaufen
Wir leben in einer Zeit, in der Menschen ihren Standort live teilen können, aber kaum noch ehrlich sagen können, wo sie emotional gerade stehen. Das muss man sich eigentlich mal vorstellen. 6 Milliarden Menschen mit GPS. Aber keiner weiß mehr so richtig, wo oben ist. Früher verlief man sich im Wald. Heute im WLAN der Fremderwartung. Und das Absurde daran: Noch nie hatten Menschen so viele Navigationssysteme wie heute. Google Maps. Karriere-Coaches. Mindset-Podcasts. Kalender-
christophmatthes86
21. Mai3 Min. Lesezeit
Läuft.
Manche Menschen laufen gegen die Zeit. Andere gegen andere. Wieder andere gegen den eigenen Körper. Und irgendwann merkt man, dass das eigentliche Rennen ganz woanders stattfindet. Nicht auf der Uhr. Nicht in der Platzierung. Nicht in irgendwelchen Tabellen voller Zeiten, die morgen ohnehin niemanden mehr interessieren. Sondern irgendwo zwischen Atemzug und Schmerz. Zwischen „Ich kann nicht mehr“ und „Ich gehe trotzdem weiter“. Zwischen Stolz und Zweifel. Zwischen Kopf und Ba
christophmatthes86
15. Mai3 Min. Lesezeit
Unkaputtbar
Vatertag ist mittlerweile der einzige Feiertag, an dem Männer offiziell mit Bollerwagen voller Bier durch die Gegend ziehen dürfen, damit niemand merkt, wie unfassbar erschöpft viele eigentlich sind. Und vielleicht beginnt genau dort das Problem. Denn der moderne Vater soll heute alles gleichzeitig sein. Versorger, aber präsent. Karriereorientiert, aber familienfokussiert. Emotional intelligent, aber bloß nicht weinerlich. Maskulin, aber keinesfalls „toxisch“. Er soll Grenzen
christophmatthes86
14. Mai5 Min. Lesezeit
Die letzte Kerze vor dem Weltuntergang
Dieser Beitrag wurde inspiriert von Gedanken aus der Predigt von Bischof Dr. Ulrich Neymeyr zur 70. Männerwallfahrt 2026 im Klüschen Hagis. Nicht als Abschrift. Sondern als Weiterdenken. Als Widerspruch. Als Zustimmung. Als Spiegel. Und vielleicht auch als unbequeme Frage an mich selbst. Neulich hat mich jemand gefragt, warum ich noch in die Kirche gehe. Dieses „noch“ war vermutlich das eigentlich Interessante an diesem Satz. Nicht die Kirche. Nicht mein Glaube. Nicht einmal
christophmatthes86
14. Mai5 Min. Lesezeit
Gerangel
Manche Menschen reden von Balance. Als wäre das Leben eine Yogaübung auf einer Salatgurke. Ruhig atmen, kurz zentrieren und dann elegant zwischen Arbeit, Familie, Gesundheit, Beziehung, Selbstfindung und drei Litern Wasser täglich hindurchschweben. Möglichst ohne zu schwitzen. Und bitte mit Achtsamkeits-App. Die Realität fühlt sich meistens anders an. Eher nach Gerangel. Ein seltsames Wort eigentlich. Fast niedlich. Klingt ein bisschen nach Grundschule, nach zwei Kindern mit
christophmatthes86
11. Mai3 Min. Lesezeit
Der leichte Weg
Manche Menschen glauben, Leichtigkeit sei ein Zustand. So etwas wie ein All-inclusive-Hotel der Seele. Keine Sorgen. Keine Konflikte. Kein Streit vor der Abfahrt. Keine Rechnungen. Keine Erwartungen. Keine schweren Gedanken zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich lieben sollten. Und am besten WLAN nur für gute Nachrichten. Ich glaube inzwischen, Leichtigkeit ist etwas völlig anderes. Vielleicht entsteht sie nicht nach der Schwere. Sondern mitten in ihr. Der Rennsteig war
christophmatthes86
9. Mai2 Min. Lesezeit
Radikale Akzeptanz
„Es ist, wie es ist“ gehört zu diesen Sätzen, die man belächelt, bevor man sie versteht. Er klingt nach Aufgabe. Nach grauer Couch. Nach Küchenkalender mit Sonnenuntergang und abgestandenem Lebensratgeber-Kaffee. Nach Menschen, die aufgehört haben, sich gegen das Leben zu wehren. Vielleicht macht genau das ihn so gefährlich. Denn wenn man ehrlich ist, basiert fast unser gesamtes modernes Leben auf Widerstand gegen Realität. Alles soll veränderbar sein. Optimierbar. Heilbar. K
christophmatthes86
6. Mai2 Min. Lesezeit
Die Seite, auf der man steht
Manchmal merkt man erst später, auf welcher Seite man stand. Ironie hat etwas Elegantes. Schnell. Präzise. Oft sogar treffend. Ich mag das. Vielleicht zu sehr. Dieses Spiel mit der zweiten Ebene. Dieses „Ich sag etwas – aber meine etwas anderes“. Dieses Gefühl, eine Situation verstanden zu haben, bevor sie überhaupt ausgesprochen ist. Und vielleicht liegt genau da schon die erste Distanz. Denn wer ironisch ist, ist selten mittendrin. Er steht ein Stück daneben. Beobachtet. Ko
christophmatthes86
28. Apr.2 Min. Lesezeit
Das, was man nicht sagt
Es war kein Streit. Nicht mal ein Gespräch. Eigentlich nur ein Satz. „Das Gute ist, dass man das bei dir nicht sieht.“ So ein Satz, der auf den ersten Blick freundlich klingt. Fast schon anerkennend. Kontrolliert. Gefasst. Alles im Griff. Und genau deshalb trifft er. Weil er nicht fragt. Weil er nichts wissen will. Weil er einfach feststellt – und damit abschließt. Da ist keine Tür. Nur ein Rahmen. Man hätte auch sagen können: „Deine Laune ist heute anders. Was ist los?“ Ein
christophmatthes86
28. Apr.2 Min. Lesezeit
Mehr als 1.440
Superhelden haben ja bekanntlich Superkräfte. Röntgenblick. Fliegen. Unsichtbarkeit. Dinge, die man gut vermarkten kann. Dinge, für die es Applaus gibt. Dinge, die man in zwei Stunden Film verpackt bekommt – mit Pause für Popcorn. Und dann gibt es die anderen. Die, die keine Pause kennen. Die, deren Kräfte so unspektakulär klingen, dass man sie fast übersieht. Multitasking zum Beispiel. Klingt nach Bürojob, ist aber in Wahrheit eine Mischung aus Einsatzleitung, Krisenstab, No
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27. Apr.4 Min. Lesezeit
Wir optimieren uns am Leben vorbei
Wir sind besser geworden. Effizienter. Klarer. Strukturierter. Wir wissen, wann wir produktiv sind, tracken unseren Schlaf, zählen Schritte, vergleichen Gehälter, analysieren Gespräche, reflektieren Beziehungen, planen Wochen, Monate, Jahre. Und irgendwo zwischen all dem liegt eine unbequeme Frage: Wozu eigentlich? Es wirkt alles so sinnvoll. So durchdacht. So erwachsen. Und genau darin liegt das Problem. Wir haben gelernt, unser Leben zu managen – aber verlernt, es zu erlebe
christophmatthes86
22. Apr.2 Min. Lesezeit
Der Regen, der aufhören soll
Es sind selten die großen Themen, die verraten, wie wir wirklich ticken. Es sind die kleinen. Die scheinbar banalen. Die Gespräche an der Kasse, die Kommentare unter Artikeln, die beiläufigen Sätze, die mehr über uns erzählen als jede Grundsatzrede. Neulich ging es wieder um Preise. Spritpreise. Ein Dauerbrenner. Und während sich die Diskussion drehte, wurde plötzlich etwas anderes sichtbar. Nicht die Höhe der Zahlen. Sondern die Tiefe der Gedanken dahinter. Menschen regen si
christophmatthes86
21. Apr.2 Min. Lesezeit
Kein Zufall
Es ist erstaunlich, wie viele Dinge sich erklären lassen, wenn man sie nicht wahrhaben will. Ein Zufall. Ein Umstand. Ein schlechtes Timing. Die Welt ist voller Ausreden, die sich vernünftig anhören. Und genau darin liegt ihre größte Gefahr. Sie nehmen dem Offensichtlichen die Schärfe. Sie glätten das, was eigentlich kantig ist. Sie machen aus Klarheit ein Fragezeichen. Vielleicht ist genau das unser größtes Talent: nicht das Verstehen, sondern das Erklären. Wir erklären uns
christophmatthes86
11. Apr.2 Min. Lesezeit
Es reicht... nicht mehr
Es beginnt selten mit einem großen Bruch. Eher mit einem leisen Verschieben. Ein Gespräch, das anders endet als sonst. Eine Nachricht, die nicht mehr kommt. Oder eine, die sich plötzlich fremd anfühlt, obwohl der Absender derselbe ist. Und irgendwo dazwischen entsteht etwas, das man lange nicht wahrhaben will: Enttäuschung. Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern still genug, um sie sich schönzureden. Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem man aufhören muss, sauer zu sein.
christophmatthes86
6. Apr.2 Min. Lesezeit
Wen suchen wir wirklich?
Ich habe neulich einen Film gesehen. Ein römischer Offizier. Klar im Kopf. Klar im Auftrag. Ein Körper ist verschwunden – also sucht er den Körper. So einfach kann die Welt sein, wenn man noch glaubt, dass jede Frage eine Antwort hat. Wen sucht ihr? Vielleicht ist das gar keine biblische Frage. Vielleicht ist es die ehrlichste Beschreibung unserer Gegenwart. Wir suchen pausenlos. Antworten, Haltung, Schuldige, Bedeutung. Hauptsache im Außen. Hauptsache nicht bei uns. Und das
christophmatthes86
4. Apr.3 Min. Lesezeit
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