top of page
Entdecken Sie Neues mit Uns
Suche
Licht im Getriebe
Die meisten Menschen kennen ihre Trigger. Die wenigen kennen ihre Glimmer. Und noch weniger kennen ihre Flügel. Der Unterschied zwischen diesen dreien entscheidet manchmal darüber, ob ein Tag schwer wird – oder leicht. Wir leben in einer Zeit, in der alles eilig ist. E-Mails eilig, Meinungen eilig, Antworten eilig. Selbst Erholung hat inzwischen einen Termin. Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Stress unserer Tage: dass wir ständig versuchen, mit der Geschwindigkeit
christophmatthes86
vor 1 Tag4 Min. Lesezeit
Ultimativ gedacht
Neulich bekam ich eine Sprachnachricht, die – so denke und hoffe ich – eigentlich sehr nett gemeint war. Einer dieser Sätze, bei denen man sofort merkt: Da wollte jemand etwas besonders Schönes sagen. „Ich denke ultimativ an dich.“ Ich musste kurz schmunzeln. Nicht wegen der Botschaft – die war wirklich freundlich –, sondern wegen dieses einen Wortes. Ultimativ. Ein Wort, das heute klingt wie die höchste Stufe der Begeisterung. Der ultimative Burger. Der ultimative Urlaub. Di
christophmatthes86
vor 2 Tagen3 Min. Lesezeit
Unterwegs vergeben
Ein paar Tage später stehe ich wieder in Laufschuhen da. Der erste Schritt ist immer derselbe: ein kleines Zögern. Als müsste der Körper kurz prüfen, ob das wirklich eine gute Idee ist. Dann geht es los. Erst langsam. Der Atem sucht seinen Takt. Die Gedanken laufen noch kreuz und quer, als hätten sie vergessen, dass auch sie irgendwann einen Rhythmus finden müssen. Und irgendwo zwischen dem ersten Kilometer und dem Punkt, an dem der Körper merkt, dass er doch kann, taucht die
christophmatthes86
vor 4 Tagen2 Min. Lesezeit
Verkehrt
Neulich stand ich an einer Ampel, die schon länger rot war, als die Situation es eigentlich hergab. Kein Auto weit und breit. Nur ein paar Menschen, die auf dieses kleine rote Männchen starrten, als hätte es die Ordnung der Welt persönlich zu verantworten. Einer ging schließlich los. Nicht trotzig. Nicht demonstrativ. Er ging einfach. Sofort dieses leise Raunen: „Das ist doch verkehrt.“ Ein interessantes Wort. Denn eigentlich bedeutet es: falsch. Aber wenn man genauer hinsieh
christophmatthes86
vor 6 Tagen2 Min. Lesezeit
Warum zwei Masken der Erlösung dieselbe Geschichte erzählen
Wer einmal bewusst nebeneinanderlegt, wie Purim gefeiert wird und wie sich in Europa der Karneval entwickelt hat, stößt auf eine irritierende Beobachtung: Zwei Feste aus völlig unterschiedlichen religiösen Traditionen wirken erstaunlich ähnlich. Beide sind laut, bunt, übermütig, voller Masken, Parodien und einer Atmosphäre, in der gesellschaftliche Regeln für kurze Zeit außer Kraft gesetzt scheinen. Autoritäten werden verspottet, Rollen werden vertauscht, und ausgerechnet der
christophmatthes86
6. März4 Min. Lesezeit
Iron Dome der Seele
Manchmal sagt ein Kulturfestival mehr über ein Land aus als ein Regierungsprogramm. Politik beschreibt, was beschlossen wurde. Kultur zeigt, wer wir sind. Oder vielleicht noch genauer: wer wir sein wollen. Gerade zwischen Purim und Pessach liegt dafür eine eigenartige Zeit. In den alten Schriften beginnt mit dem Monat Adar etwas Ungewöhnliches: Die Freude soll wachsen. Nicht, weil alles gut ist. Sondern weil sie eine Entscheidung ist. Das wirkt zunächst paradox. Die Nachricht
christophmatthes86
5. März3 Min. Lesezeit
Frisst Frust Frist oder Lust?
Es gibt Tage, da merkt man: Das sind keine Nerven mehr. Das ist eine Zündschnur. Man erkennt den Unterschied daran, dass sie nicht plötzlich brennt. Sie glimmt. Langsam. Millimeter für Millimeter. Und jedes Mal denkt man: Ach, wird schon wieder ausgehen. Bis man merkt, dass jemand immer wieder mit dem Feuerzeug danebensteht. Viele nennen das dann mangelnde Frustrationstoleranz. Als müsste man nur lernen, mehr auszuhalten. Mehr Geduld. Mehr Gelassenheit. Als wäre Frust eine Ar
christophmatthes86
4. März3 Min. Lesezeit
Kein Zurück vom Schritt zurück
Es gibt Entscheidungen, die wirken wie ein Rückzug – und sind in Wahrheit ein Anlauf. Ein Schritt zurück ist nicht automatisch Kapitulation. Manchmal ist er die einzige Möglichkeit, um wieder Schwung zu holen. Wer schon einmal Hochsprung gesehen hat, weiß: Niemand springt aus dem Stand über zwei Meter. Man geht zurück. Man misst den Abstand. Man fokussiert. Und dann läuft man. Es gibt diese seltsame Angst in uns, dass Zurückgehen Schwäche bedeutet. Als würde nur derjenige gew
christophmatthes86
1. März2 Min. Lesezeit
Bescheren statt beschweren
Es ist erstaunlich, wie nah sich zwei Wörter sein können – und wie weit ihre Wirkung auseinanderliegt. Beschweren. Bescheren. Ein einziger Buchstabe entscheidet, ob wir Gewicht verteilen oder Geschenk werden. Beschweren ist einfach. Es braucht keine Leichte oder Kreativität, nur Wiederholung. Man zählt auf, was fehlt. Wer schuld ist. Was anders laufen müsste. Beschweren verschafft kurzfristig Erleichterung – und langfristig Schwere. Denn jedes Mal, wenn wir uns beschweren, le
christophmatthes86
27. Feb.2 Min. Lesezeit
Sehnsucht
Sehnsucht klingt harmlos. Fast poetisch. Ein Wort für Sonnenuntergänge, alte Lieder und Züge, die abfahren. Dabei ist Sehnsucht nichts Zartes. Sie ist eine innere Dehnung. Das Wort trägt es schon in sich: sich sehnen – sich strecken, sich länger machen, als man gerade ist. Sehnsucht ist ein Herz, das über seine Ränder hinaus will. Vielleicht beginnt alles mit einer sehr schlichten Sucht: der Sucht, gesehen zu werden. Nicht bemerkt. Nicht bewertet. Nicht verwaltet. Sondern erk
christophmatthes86
22. Feb.3 Min. Lesezeit
Wenngleich der Riss trägt
Überall stehen Burgen, Gebäude und Kirchen, älter als unsere Diskussionen. Mauern, die Kriege, Grenzlinien und Ideologien gesehen haben. Wer genau hinsieht, entdeckt sie überall: Risse. Nicht spektakulär, aber real. Und dennoch stehen diese Mauern. Sie tragen – wenngleich sie Spannungen in sich tragen. Niemand käme auf die Idee, sie einzureißen, nur weil der Stein gesprungen ist. Wir nennen es Geschichte. Charakter. Patina. „Wenngleich“ ist kein billiges Trotzdem. Es ist ein
christophmatthes86
21. Feb.3 Min. Lesezeit
Wer sind wir, wenn wir die Masken wieder ablegen?
Mit dem Aschermittwoch endet die fünfte Jahreszeit. Für viele Karnevalisten ist er so etwas wie der Karfreitag ihres Übermutes: Die Musik verstummt, das Kostüm wandert in den Schrank, die Bühne wird wieder Alltag. Wochenlang war Karneval mehr als Ausgelassenheit. Er war Hoffnung in der dunklen Jahreszeit. Ein (halb)Marathon des Übermutes. Ein kollektives Durchatmen in Zeiten, die oft schwer genug sind. Man lacht lauter, als man müsste. Man tanzt länger, als vernünftig wäre. M
christophmatthes86
18. Feb.3 Min. Lesezeit
Wo Humor nicht verstummt – Gedanken über Demokratie, Verantwortung und Karneval
Es ist ein besonderer Moment, wenn sich Politik und Brauchtum begegnen. Nicht, weil wir heute die Rollen tauschen – keine Sorge, wir übernehmen nicht den Landtag oder die Staatskanzlei. Aber weil wir zeigen, dass Demokratie mehr ist als Debatte. Sie ist Begegnung. Sie ist Kultur. Sie ist gemeinsames Lachen. Und genau hier beginnt der Karneval. Karneval ist keine Flucht vor der Realität. Er ist ihr Seismograph. Wir nehmen wahr, was Menschen bewegt. Wir hören, wo es knirscht.
christophmatthes86
17. Feb.3 Min. Lesezeit
Geflissentlich
...ist so ein Wort, das aussieht, als hätte es sein Leben im Duden verbracht. Ordentlich, geschniegelt, ein bisschen nach Amtsstube. Und dann legt man es in einen Satz – und plötzlich steht man selbst darin. Barfuß. Mit diesem kleinen, unbequemen Lächeln im Mundwinkel, das sagt: Ich weiß genau, was ich tue. Es klingt nach Absicht. Nach Paragraph. Nach: Das war so geplant. Und genau da beginnt es zu reiben. Denn geflissentlich meint nicht kalt. Nicht berechnend. Sondern bewuss
christophmatthes86
8. Feb.3 Min. Lesezeit
Wenn die Füße schneller waren als die Seele
Laufen ist ein seltsames Phänomen. Es gilt als gesund, diszipliniert, bewundernswert. Wer viel läuft, hat sofort ein gutes Image. Niemand fragt nach Gründen. Kilometer zählen als Charaktereigenschaft. Dabei läuft kaum jemand einfach nur so. Man läuft, weil etwas drückt. Oder weil etwas still werden soll. Oder weil man Ordnung braucht – dringend, bitte sofort. Laufen ist die vielleicht gesellschaftsfähigste Art, mit sich selbst nicht ganz fertig zu sein. Am Anfang ist es fast
christophmatthes86
6. Feb.3 Min. Lesezeit
Am richtigen Ort
Manchmal fragt man sich wirklich, ob der Schöpfungsakt immer mit einem letzten Kontrollblick geendet hat. Nicht böse gemeint. Eher neugierig. Zum Beispiel beim Pinguin. Ein Vogel, der nicht fliegen kann. Das allein ist schon ein theologisches Statement. Flügel vorhanden, Himmel verpasst. Dafür Beine, die aussehen, als hätten sie sich im Baukasten verlaufen. An Land wirkt er wie eine Mischung aus formeller Abendgarderobe und leichter Überforderung. Er watschelt, als würde jede
christophmatthes86
3. Feb.3 Min. Lesezeit
Wie viele Sinne hat der Wahn?
Man sagt, der Mensch habe fünf Sinne. In besseren Ratgebern sind es sechs, in schlechteren siebzehn. Der Wahn hingegen hält sich nicht an solche Vorgaben. Er ist kein Organ, er ist ein Lebensgefühl. Er sammelt Eindrücke wie andere Pfandflaschen und behauptet anschließend, daraus ein System gebaut zu haben. Der Wahn hört Dinge, die nie gesagt wurden, aber gemeint gewesen sein könnten. Er ist der einzige, der den Unterton im Schweigen erkennt und sich dabei sicher ist, dass gen
christophmatthes86
2. Feb.3 Min. Lesezeit
Wenn Erinnerung stört
Man kann mit jedem reden. Das ist einer dieser Sätze, die gern dann fallen, wenn man nicht sagen will, worum es eigentlich geht. Natürlich kann man reden. Die Frage ist nur: Was wird dabei normalisiert? Es beginnt selten mit Hass. Hass wäre zu eindeutig. Zu laut. Zu bequem. Es beginnt mit einem Lachen. Nicht böse gemeint. Mit einem Augenrollen. Mit einem Satz, der hinten rausfällt, weil man ihn „ja wohl noch sagen darf“. Zum Beispiel am Tisch. Jemand erzählt von der einen Kol
christophmatthes86
29. Jan.5 Min. Lesezeit
Zumutung
Manche Wörter kommen mit schlechtem Ruf zur Welt. „Zumutung“ gehört definitiv dazu. Klingt nach Amtsstube, nach erhobenem Zeigefinger, nach Das ist jetzt halt so. Dabei ist das Wort viel zu schade für diesen Tonfall. Zu-muten. Nicht: überfahren. Nicht: brechen. Sondern: Mut zutrauen. Das ist erst einmal ein schöner Gedanke. Fast schon tröstlich. So schön, dass man ihm misstrauen sollte. Denn seien wir ehrlich: Die meisten Zumutungen fühlen sich nicht nach Wertschätzung an, so
christophmatthes86
28. Jan.3 Min. Lesezeit
Bestenfalls
Der rote Faden wird überschätzt. Wirklich. Er ist etwas für Präsentationen, Beziehungsratgeber und Menschen, die glauben, das Leben müsse sich bitte vorher anmelden. Dabei ist das Leben eher so: Es klingelt nicht. Es fällt rein. Mit Schuhen. Vielleicht geht es gar nicht um den roten Faden. Vielleicht geht es um den Fall. Und zwar nicht den Sturz, sondern den besten Fall. Den Moment, in dem man aufhört, sich krampfhaft zu halten – und sich fallen lässt. Bestenfalls. Das klingt
christophmatthes86
27. Jan.2 Min. Lesezeit
bottom of page