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Die Seite, auf der man steht
Manchmal merkt man erst später, auf welcher Seite man stand. Ironie hat etwas Elegantes. Schnell. Präzise. Oft sogar treffend. Ich mag das. Vielleicht zu sehr. Dieses Spiel mit der zweiten Ebene. Dieses „Ich sag etwas – aber meine etwas anderes“. Dieses Gefühl, eine Situation verstanden zu haben, bevor sie überhaupt ausgesprochen ist. Und vielleicht liegt genau da schon die erste Distanz. Denn wer ironisch ist, ist selten mittendrin. Er steht ein Stück daneben. Beobachtet. Ko
christophmatthes86
vor 2 Tagen2 Min. Lesezeit
Das, was man nicht sagt
Es war kein Streit. Nicht mal ein Gespräch. Eigentlich nur ein Satz. „Das Gute ist, dass man das bei dir nicht sieht.“ So ein Satz, der auf den ersten Blick freundlich klingt. Fast schon anerkennend. Kontrolliert. Gefasst. Alles im Griff. Und genau deshalb trifft er. Weil er nicht fragt. Weil er nichts wissen will. Weil er einfach feststellt – und damit abschließt. Da ist keine Tür. Nur ein Rahmen. Man hätte auch sagen können: „Deine Laune ist heute anders. Was ist los?“ Ein
christophmatthes86
vor 2 Tagen2 Min. Lesezeit
Mehr als 1.440
Superhelden haben ja bekanntlich Superkräfte. Röntgenblick. Fliegen. Unsichtbarkeit. Dinge, die man gut vermarkten kann. Dinge, für die es Applaus gibt. Dinge, die man in zwei Stunden Film verpackt bekommt – mit Pause für Popcorn. Und dann gibt es die anderen. Die, die keine Pause kennen. Die, deren Kräfte so unspektakulär klingen, dass man sie fast übersieht. Multitasking zum Beispiel. Klingt nach Bürojob, ist aber in Wahrheit eine Mischung aus Einsatzleitung, Krisenstab, No
christophmatthes86
vor 2 Tagen4 Min. Lesezeit
Wir optimieren uns am Leben vorbei
Wir sind besser geworden. Effizienter. Klarer. Strukturierter. Wir wissen, wann wir produktiv sind, tracken unseren Schlaf, zählen Schritte, vergleichen Gehälter, analysieren Gespräche, reflektieren Beziehungen, planen Wochen, Monate, Jahre. Und irgendwo zwischen all dem liegt eine unbequeme Frage: Wozu eigentlich? Es wirkt alles so sinnvoll. So durchdacht. So erwachsen. Und genau darin liegt das Problem. Wir haben gelernt, unser Leben zu managen – aber verlernt, es zu erlebe
christophmatthes86
22. Apr.2 Min. Lesezeit
Der Regen, der aufhören soll
Es sind selten die großen Themen, die verraten, wie wir wirklich ticken. Es sind die kleinen. Die scheinbar banalen. Die Gespräche an der Kasse, die Kommentare unter Artikeln, die beiläufigen Sätze, die mehr über uns erzählen als jede Grundsatzrede. Neulich ging es wieder um Preise. Spritpreise. Ein Dauerbrenner. Und während sich die Diskussion drehte, wurde plötzlich etwas anderes sichtbar. Nicht die Höhe der Zahlen. Sondern die Tiefe der Gedanken dahinter. Menschen regen si
christophmatthes86
21. Apr.2 Min. Lesezeit
Kein Zufall
Es ist erstaunlich, wie viele Dinge sich erklären lassen, wenn man sie nicht wahrhaben will. Ein Zufall. Ein Umstand. Ein schlechtes Timing. Die Welt ist voller Ausreden, die sich vernünftig anhören. Und genau darin liegt ihre größte Gefahr. Sie nehmen dem Offensichtlichen die Schärfe. Sie glätten das, was eigentlich kantig ist. Sie machen aus Klarheit ein Fragezeichen. Vielleicht ist genau das unser größtes Talent: nicht das Verstehen, sondern das Erklären. Wir erklären uns
christophmatthes86
11. Apr.2 Min. Lesezeit
Es reicht... nicht mehr
Es beginnt selten mit einem großen Bruch. Eher mit einem leisen Verschieben. Ein Gespräch, das anders endet als sonst. Eine Nachricht, die nicht mehr kommt. Oder eine, die sich plötzlich fremd anfühlt, obwohl der Absender derselbe ist. Und irgendwo dazwischen entsteht etwas, das man lange nicht wahrhaben will: Enttäuschung. Nicht laut. Nicht dramatisch. Sondern still genug, um sie sich schönzureden. Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem man aufhören muss, sauer zu sein.
christophmatthes86
6. Apr.2 Min. Lesezeit
Wen suchen wir wirklich?
Ich habe neulich einen Film gesehen. Ein römischer Offizier. Klar im Kopf. Klar im Auftrag. Ein Körper ist verschwunden – also sucht er den Körper. So einfach kann die Welt sein, wenn man noch glaubt, dass jede Frage eine Antwort hat. Wen sucht ihr? Vielleicht ist das gar keine biblische Frage. Vielleicht ist es die ehrlichste Beschreibung unserer Gegenwart. Wir suchen pausenlos. Antworten, Haltung, Schuldige, Bedeutung. Hauptsache im Außen. Hauptsache nicht bei uns. Und das
christophmatthes86
4. Apr.3 Min. Lesezeit
The same procedure as every year?
Acht Jahre Hülfensberg. Vierzig Kilometer, die sich irgendwann nicht mehr wie Strecke anfühlen, sondern wie Gewohnheit. Der Körper weiß, wann es zieht, wann es leicht wird. Man fährt los, weil man es immer so gemacht hat. Weil Rituale tragen. Und vielleicht auch, weil man sie irgendwann nicht mehr hinterfragt. Dieses Jahr war es anders. Nicht äußerlich. Der Weg war derselbe, das Ziel auch, die Messe sowieso. Aber irgendetwas hat sich verschoben. Nicht im Ablauf. Im Blick. Vie
christophmatthes86
3. Apr.3 Min. Lesezeit
Flügel
Ein Schmetterling sieht seine eigenen Flügel nicht. Das ist kein schönes Bild, das ist einfach eine Grenze. Er fliegt, ohne zu sehen, was ihn trägt. Und vielleicht ist genau das näher an uns dran, als uns lieb ist. Ich habe lange geglaubt, es seien die anderen. Die, die stören, die kommentieren, die irgendwo im Hintergrund sitzen wie eine Krähe und nicht aufhören zu hacken. Man kennt das – Worte, die nicht fragen, sondern treffen. Blicke, die mehr sagen als sie sollten. Und i
christophmatthes86
28. März2 Min. Lesezeit
Höhe
Neulich bin ich über eine dieser Geschichten gestolpert, die man sofort versteht und gerade deshalb ein bisschen misstrauisch machen. Ein Adler. Eine Krähe. Die Krähe wagt etwas, was sonst keiner tut. Sie setzt sich auf den Rücken des Adlers. Hackt. Stört. Bleibt. Unnachgiebig. Man kennt solche Situationen. Nicht aus der Tierwelt. Aus Gesprächen. Aus Kommentarspalten. Aus Sitzungen. Aus diesem einen Moment, in dem plötzlich nicht mehr zählt, was gesagt wird – sondern nur noch
christophmatthes86
26. März2 Min. Lesezeit
Genug.
Neulich stand ich im Supermarkt vor einem Regal, das so voll war, dass man eigentlich nichts mehr hätte dazustellen können. Drei Sorten wurden plötzlich zu dreißig. Aus Auswahl wurde Überforderung. Und während ich da stand, hörte ich hinter mir jemanden sagen: „Irgendwie ist nichts dabei.“ Man möchte darüber lachen. Wirklich. Bis man merkt, dass das kein Problem des Regals ist. Sondern unseres. Wir leben in einer Zeit, in der alles da ist – und trotzdem fühlt es sich oft nach
christophmatthes86
25. März3 Min. Lesezeit
Hätte, wäre, wenn
„Hätte ich damals …“ Erstaunlich viele Geschichten beginnen mit diesem Satz. Hätte ich den Job angenommen. Hätte ich früher angefangen zu laufen. Hätte ich dieses eine Gespräch anders geführt. Hätte ich mehr Mut gehabt. Manchmal ist dieses „hätte“ harmlos. Eine kleine gedankliche Spielerei auf dem Sofa der Vergangenheit. Doch manchmal baut sich daraus eine ganze Parallelwelt. Eine Welt, in der alles besser gelaufen wäre. Der richtige Satz zur richtigen Zeit. Die richtige Ents
christophmatthes86
24. März3 Min. Lesezeit
Trotzdem
Es gibt Sätze, die passen nicht zur Situation. Sie stehen im Raum wie ein leiser Widerspruch. Nicht laut genug, um dagegen zu argumentieren, aber stark genug, um zu irritieren. „Herr, wärst du hier gewesen…“ Das ist kein frommer Satz. Das ist ein ehrlicher. Einer, der gleichzeitig glaubt und zweifelt, vertraut und klagt, festhält – und doch nicht versteht. Vielleicht sind genau das die Sätze, an denen sich entscheidet, woran wir wirklich glauben. Denn es gibt diese Momente, i
christophmatthes86
22. März4 Min. Lesezeit
Die Dinge, die nicht da sind
Ich habe einen Test gemacht. Zwei Sekunden Zeit. Merke dir drei blaue Dinge auf einem Bild zu merken. Los geht’s. Zwei Sekunden sind schneller vorbei, als man denkt, und dann diese unscheinbare Frage, fast schon beiläufig: Was war gelb? Die meisten zögern. Nicht lange. Eher irritiert. So, als hätte man etwas überhört, das eigentlich nicht gesagt wurde. Und genau das ist der Punkt: Das Gelbe war da. Mitten im Bild. Nicht versteckt, nicht am Rand, nicht besonders kreativ getarn
christophmatthes86
22. März4 Min. Lesezeit
Immer zu wenig
Neulich beobachtete ich in einem Café einen Mann, der auf sein Handy schaute, die Stirn runzelte und leise sagte: „Na toll. Das war ja klar.“ Mehr war nicht passiert. Ein Blick auf ein Display. Ein paar Worte auf einem Bildschirm. Aber in seinem Kopf lief bereits ein ganzer Film. Wahrscheinlich keiner mit Happy End. Das Erstaunliche daran ist nicht, dass so etwas passiert. Das Erstaunliche ist, wie schnell wir das alle können. Kaum erscheint ein Ereignis in unserem Leben, beg
christophmatthes86
15. März3 Min. Lesezeit
Licht im Getriebe
Die meisten Menschen kennen ihre Trigger. Die wenigen kennen ihre Glimmer. Und noch weniger kennen ihre Flügel. Der Unterschied zwischen diesen dreien entscheidet manchmal darüber, ob ein Tag schwer wird – oder leicht. Wir leben in einer Zeit, in der alles eilig ist. E-Mails eilig, Meinungen eilig, Antworten eilig. Selbst Erholung hat inzwischen einen Termin. Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Stress unserer Tage: dass wir ständig versuchen, mit der Geschwindigkeit
christophmatthes86
14. März4 Min. Lesezeit
Ultimativ gedacht
Neulich bekam ich eine Sprachnachricht, die – so denke und hoffe ich – eigentlich sehr nett gemeint war. Einer dieser Sätze, bei denen man sofort merkt: Da wollte jemand etwas besonders Schönes sagen. „Ich denke ultimativ an dich.“ Ich musste kurz schmunzeln. Nicht wegen der Botschaft – die war wirklich freundlich –, sondern wegen dieses einen Wortes. Ultimativ. Ein Wort, das heute klingt wie die höchste Stufe der Begeisterung. Der ultimative Burger. Der ultimative Urlaub. Di
christophmatthes86
13. März3 Min. Lesezeit
Unterwegs vergeben
Ein paar Tage später stehe ich wieder in Laufschuhen da. Der erste Schritt ist immer derselbe: ein kleines Zögern. Als müsste der Körper kurz prüfen, ob das wirklich eine gute Idee ist. Dann geht es los. Erst langsam. Der Atem sucht seinen Takt. Die Gedanken laufen noch kreuz und quer, als hätten sie vergessen, dass auch sie irgendwann einen Rhythmus finden müssen. Und irgendwo zwischen dem ersten Kilometer und dem Punkt, an dem der Körper merkt, dass er doch kann, taucht die
christophmatthes86
11. März2 Min. Lesezeit
Verkehrt
Neulich stand ich an einer Ampel, die schon länger rot war, als die Situation es eigentlich hergab. Kein Auto weit und breit. Nur ein paar Menschen, die auf dieses kleine rote Männchen starrten, als hätte es die Ordnung der Welt persönlich zu verantworten. Einer ging schließlich los. Nicht trotzig. Nicht demonstrativ. Er ging einfach. Sofort dieses leise Raunen: „Das ist doch verkehrt.“ Ein interessantes Wort. Denn eigentlich bedeutet es: falsch. Aber wenn man genauer hinsieh
christophmatthes86
9. März2 Min. Lesezeit
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