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Und dann war Montag
Es gibt diesen Moment nach einem guten Buch. Nach einem Vortrag. Nach einem tiefen Gespräch. Man klappt das Buch zu, steigt ins Auto oder verlässt den Saal und denkt: Ab morgen wird alles anders. Plötzlich sieht man klarer. Man will gelassener werden, mehr Zeit mit den Kindern verbringen, weniger funktionieren und endlich das Leben führen, über das man eben noch nachgedacht hat. Und dann ist Montag. Der Wecker klingelt. Das Kind findet seine Sportsachen nicht. Der Kaffee läuf
christophmatthes86
19. Juli2 Min. Lesezeit


Wir.
Es passiert nicht oft, dass ich nach einer Talkshow den Fernseher ausschalte und nicht mehr über die Gäste nachdenke, sondern über mich selbst. Vor ein paar Tagen ist genau das passiert. Bei Markus Lanz saß Luca Piwodda. Ein junger Bürgermeister aus Garz. Keine großen Parolen. Keine lauten Schlagzeilen. Stattdessen sagte er einen Satz, der mich seitdem nicht mehr loslässt – sinngemäß: „Lasst die Parteipolitik vor dem Rathaus. Drinnen zählt die beste Idee.“ Ich musste den Satz
christophmatthes86
17. Juli3 Min. Lesezeit


Allein
Vor ein paar Tagen saß ich an der Vorbereitung eines wichtigen Gesprächs. Ich hatte Argumente gesammelt, mögliche Einwände durchgespielt und Antworten formuliert. Je länger ich nachdachte, desto mehr wollte ich auf jede Frage vorbereitet sein. Irgendwann merkte ich, dass ich längst nicht mehr über das Gespräch nachdachte. Ich dachte darüber nach, wie ich bloß nicht unsicher wirken könnte. Da kam mir ein Gedanke, der mich selbst überrascht hat. Warum mache ich das eigentlich a
christophmatthes86
16. Juli2 Min. Lesezeit


Besitz der Wahrheit
„Was ist die Wahrheit? Wo ist die Wahrheit?“, fragte Hape Kerkeling kürzlich in einer Fernsehsendung. Ein Satz, der zwischen all den politischen Schlagzeilen fast unterging. Vielleicht, weil viele die Antwort längst zu kennen glauben. Wir leben in einer Zeit, in der kaum noch jemand nach Wahrheit sucht. Wir suchen nach Bestätigung. Wir lesen keine Artikel mehr, um etwas zu lernen. Wir lesen sie, um uns aufzuregen oder zustimmend zu nicken. Wir klicken nicht auf den Link, der
christophmatthes86
15. Juli2 Min. Lesezeit


Es ist, wie es ist.
Vor einigen Tagen saß ich mit ein paar Menschen zusammen. Irgendwann fiel dieser Satz. „Es ist, wie es ist.“ Kaum ausgesprochen, verdrehte jemand die Augen. „Diesen Satz kann ich überhaupt nicht leiden“, sagte er. „Das ist doch der Satz von Leuten, die aufgegeben haben.“ Ich musste schmunzeln. Nicht, weil ich ihm widersprechen wollte. Sondern weil ich früher genauso gedacht habe. Lange Zeit war dieser Satz für mich ein Synonym für Resignation. Für Menschen, die sich mit ihrem
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2. Juli3 Min. Lesezeit


Abblendlicht
Vor ein paar Tagen war ich auf einem Klassentreffen. Schon verrückt, was Zeit mit Menschen macht. Sie macht uns älter. Falten kommen dazu, Haare verschwinden. Aber manche Rollen bleiben erstaunlich hartnäckig. Der Klassenclown macht immer noch die meisten Witze. Der Sportler erzählt noch immer von seinem wichtigsten Tor. Einer versucht unauffällig zu erwähnen, dass er inzwischen Abteilungsleiter ist, obwohl das Gespräch eigentlich gerade beim Nachtisch war. Und ich? Ich ertap
christophmatthes86
1. Juli3 Min. Lesezeit


Das letzte Wort
Vor einigen Tagen fiel mir plötzlich ein Satz wieder ein. Nicht irgendein Satz. Sondern einer, für den ich mich bis heute schäme. Er war vor Jahren gefallen. Eigentlich längst vorbei. Und trotzdem war er mit einem Mal wieder da. Als hätte mein Kopf beschlossen, ihn niemals zu löschen. Es gibt Sätze, die verschwinden nie. Nicht, weil sie besonders klug waren. Sondern weil wir sie gesagt haben. Der unüberlegte Kommentar, der einen Menschen verletzt hat. Die Entscheidung, die si
christophmatthes86
26. Juni3 Min. Lesezeit


Muss wird werden
Ich kam etwas später als sonst ins Büro. Eigentlich begann der Tag gut. Kein Stau, keine Hektik. Ein Kaffee in der Hand, die Tür aufgeschlossen und das Gefühl, heute einfach mal in Ruhe anzukommen. Ich hatte die Jacke noch nicht einmal ausgezogen, da ging es los: „Du musst hier noch unterschreiben.“ „Du musst nachher noch bei der Kollegin vorbeischauen.“ „Den musst du unbedingt zurückrufen.“ „Und bis heute Nachmittag brauchen wir noch deine Rückmeldung.“ Keine fünf Minuten sp
christophmatthes86
25. Juni2 Min. Lesezeit


Der unsichtbare Faden
Ein Gedanke aus der Predigt von Pfarrer Markus Hampel hat mich in den vergangenen Tagen begleitet. Eigentlich waren es nur drei Worte: „Fürchtet euch nicht.“ Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr fragte ich mich, ob Angst nicht oft dort entsteht, wo wir versuchen, eine Geschichte zu Ende zu denken, obwohl wir erst die ersten Zeilen kennen. Einige Tage zuvor bin ich über die Theorie vom unsichtbaren Faden gestolpert. Die Vorstellung dahinter ist einfach: Manche M
christophmatthes86
23. Juni4 Min. Lesezeit


Das letzte Mal
Ich stand im Flur und beobachtete etwas völlig Alltägliches. Ein Kind wollte getragen werden. Nicht, weil es nicht laufen konnte. Nicht, weil es müde war. Einfach nur so. Weil Arme manchmal schöner sind als Beine. Weil die Welt von dort oben ein kleines bisschen sicherer aussieht. Während ich es hochhob, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf, der mich seitdem nicht mehr loslässt. Irgendwann wird es das letzte Mal sein. Das letzte Mal, dass ein Kind die Arme ausstreckt und sel
christophmatthes86
20. Juni2 Min. Lesezeit


Erla(u)ben
Ich bin über ein Wort gestolpert, das man heute kaum noch benutzt. Nicht in Meetings. Nicht auf Instagram. Nicht in Podcasts. Nicht einmal in den meisten Gesprächen. Das Wort lautet: erlaben. Jemand verwendete es ganz beiläufig. Fast so, als wäre es das Normalste der Welt. Und plötzlich blieb ich daran hängen. Wahrscheinlich, weil es alt klingt. Vermutlich, weil es aus einer Zeit stammt, in der Worte noch nicht optimiert werden mussten. Eventuell aber auch, weil ich beim Nach
christophmatthes86
17. Juni3 Min. Lesezeit


Route wird neu berechnet
Es ist die größte Ironie unserer Zeit: Wir haben für alles eine Navigation. Außer für uns selbst. Morgens greifen viele Menschen noch vor dem ersten klaren Gedanken zum Handy. Nachrichten. Mails. Erinnerungen. Schlagzeilen. Irgendwo zwischen Wetter-App und Terminkalender entscheidet plötzlich etwas anderes, wie der Tag beginnt. Nicht wir. Dabei ist das bemerkenswert. Wir leben in einer Zeit, in der ein Telefon oft schneller weiß, worüber wir nachdenken, als die Menschen um un
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17. Juni2 Min. Lesezeit


Die Last
Es gibt einen Satz, den man erstaunlich oft hört: „Warum erzählt er mir das?“ oder „Warum belastet sie mich damit?“ Gemeint sind selten schöne Dinge. Es geht um Sorgen, Ängste, Krankheiten, Trauer, Überforderung. Um jene Wahrheiten, die Menschen normalerweise unter Verschluss halten. Um die Dinge, die man nicht jedem erzählt und manchmal stimmt es sogar. Manchmal fühlt sich das tatsächlich wie eine Last an. Da sitzt plötzlich jemand vor uns und erzählt von einer Diagnose, von
christophmatthes86
15. Juni3 Min. Lesezeit


Vielleicht
Vor ein paar Jahren hätte ich Menschen, die freiwillig morgens halb fünf aufstehen, um laufen zu gehen, vermutlich für leicht verrückt gehalten. Heute gehöre ich selbst zu dieser Gruppe und stelle fest, dass Verrücktheit manchmal einfach nur eine Frage der Perspektive ist. Denn wenn man ehrlich ist, ergibt das Ganze wenig Sinn. Da klingelt ein Wecker zu einer Uhrzeit, zu der selbst die Sonne noch überlegt, ob sich Aufstehen wirklich lohnt. Man zieht Kleidung an, die erstaunli
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14. Juni3 Min. Lesezeit


Die Welt retten
Neulich hörte ich eine Geschichte über eine Frau in einem Hotel. Keine spektakuläre Geschichte. Keine Geschichte über Heldentum, Weltrettung oder irgendwelche Menschen, die mit dramatischer Musik im Hintergrund die Menschheit vor dem Untergang bewahren. Es ging um eine Seife. Diese kleinen Hotelseifen, die ungefähr so groß sind wie die Geduld eines Menschen im Kundenservice kurz vor Feierabend. Die Frau packte eine bereits benutzte Seife sorgfältig ein. Jemand fragte sie: „Wa
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1. Juni3 Min. Lesezeit


Wer sagt?
Ich dachte immer, Erwachsensein bedeutet irgendwann anzukommen. Nicht mehr so viel zweifeln. Nicht mehr so viel suchen. Nicht mehr nachts wachliegen und das Gefühl haben, dass das eigene Leben irgendwie gleichzeitig zu schnell und zu langsam läuft. Irgendwann dachte ich: „Wenn du das alles erst einmal geregelt hast, dann wird’s ruhig.“ Spoiler: Wird es nicht. Denn das Verrückte am Leben ist, dass Probleme erstaunlich kreativ darin sind, sich gegenseitig abzulösen. Kaum hat ma
christophmatthes86
25. Mai3 Min. Lesezeit
Außer Form
Vielleicht beginnt Erwachsenwerden nicht damit, endlich „in Form“ zu kommen. Sondern damit, aus den falschen Formen herauszuwachsen. Das Absurde daran ist ja: Als Kind ist „rausgewachsen“ fast immer etwas Gutes. Die Hose zu kurz. Die Schuhe zu klein. Der Pullover spannt plötzlich an den Armen. Menschen lächeln dann stolz und sagen: „Na schau mal einer an. Du wächst.“ Später klingt derselbe Satz plötzlich wie ein Problem. „Ich passe da nicht mehr rein.“ Und meistens denken Men
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23. Mai2 Min. Lesezeit
Nur ein Löffel
Vielleicht ist das wirklich die verkehrte Welt. Dass Menschen morgens in den Spiegel schauen wie Kunden an einer Hotelrezeption. Mit dieser stillen Erwartung: „So. Mach mal, dass ich mich heute besser fühle.“ Und wenn das Spiegelbild dann müde aussieht, genervt oder leer, reagieren wir beleidigt, als hätte der Spiegel aktiv beschlossen, heute schwierig zu sein. Neulich stand ich nachts in der Küche und löffelte Nutella direkt aus dem Glas. Diese großen Gläser wirken nachts üb
christophmatthes86
22. Mai3 Min. Lesezeit
Verlaufen
Wir leben in einer Zeit, in der Menschen ihren Standort live teilen können, aber kaum noch ehrlich sagen können, wo sie emotional gerade stehen. Das muss man sich eigentlich mal vorstellen. 6 Milliarden Menschen mit GPS. Aber keiner weiß mehr so richtig, wo oben ist. Früher verlief man sich im Wald. Heute im WLAN der Fremderwartung. Und das Absurde daran: Noch nie hatten Menschen so viele Navigationssysteme wie heute. Google Maps. Karriere-Coaches. Mindset-Podcasts. Kalender-
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21. Mai3 Min. Lesezeit
Läuft.
Manche Menschen laufen gegen die Zeit. Andere gegen andere. Wieder andere gegen den eigenen Körper. Und irgendwann merkt man, dass das eigentliche Rennen ganz woanders stattfindet. Nicht auf der Uhr. Nicht in der Platzierung. Nicht in irgendwelchen Tabellen voller Zeiten, die morgen ohnehin niemanden mehr interessieren. Sondern irgendwo zwischen Atemzug und Schmerz. Zwischen „Ich kann nicht mehr“ und „Ich gehe trotzdem weiter“. Zwischen Stolz und Zweifel. Zwischen Kopf und Ba
christophmatthes86
15. Mai3 Min. Lesezeit
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