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Glaubst du an ein Leben nach dem Davor?

  • christophmatthes86
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Ich habe neulich eine Geschichte gehört, die blieb nicht einfach hängen. Sie setzte sich. Irgendwo zwischen Rippen und Gewissen. Eine dieser Geschichten, die man nicht weitererzählt, um klug zu wirken, sondern weil sie einen leise erwischt.


Zwei Babys im Mutterleib.

Das eine fragt:

„Glaubst du an ein Leben nach der Geburt?“


Das andere zögert nicht:

„Natürlich. Es muss etwas geben. Vielleicht sind wir hier nur in Vorbereitung.“


Das erste lacht. Ein kurzes, überlegenes Lachen.

„Unlogisch. Niemand ist je zurückgekommen. Die Nabelschnur ist viel zu kurz. Das hier ist alles.“


Und irgendwo zwischen diesen beiden Babys stecken wir erstaunlich oft selbst.


Wir messen die Welt an dem, was wir kennen. An dem, was wir kontrollieren. An dem, was sich beweisen lässt. Alles andere nennen wir naiv, romantisch oder – wenn wir ehrlich sind – gefährlich. Hoffnung gilt als Risiko. Vertrauen als Luxus. Und wer an mehr glaubt, bekommt schnell den Stempel „weltfremd“.


Dabei ist das Argument immer dasselbe: Ich sehe es nicht. Also gibt es das nicht.


Das zweite Baby denkt anders. Nicht lauter. Nicht missionarisch. Einfach anders.

„Vielleicht ist es dort nicht wie hier. Vielleicht brauchen wir das, was uns jetzt hält, später nicht mehr. Vielleicht ist das hier nicht Ziel, sondern Übergang.“


Und dann dieser Satz, der alles kippt: „Aber wir werden doch unsere Mama treffen.“


Spott. Natürlich.

„Mama? Wo soll sie denn sein?“


Die Antwort ist ruhig. Beinahe zärtlich.

„Überall. Wir sind ein Teil von ihr. Ohne sie gäbe es uns nicht.“


Man könnte diese Geschichte als religiöse Metapher lesen. Oder als philosophisches Gedankenspiel. Oder als nette Anekdote für einen verregneten Abend. Man kann sie aber auch als Zumutung verstehen.


Denn sie stellt eine unbequeme Frage: Was, wenn unser vermeintliches Alles nur ein Noch ist?


Was, wenn das, woran wir uns festhalten – Routinen, Sicherheiten, Beziehungen, Überzeugungen – genau das ist, was uns gerade trägt, aber nicht das, was uns für immer definiert? Was, wenn manches Ende gar kein Scheitern ist, sondern ein Wechsel der Bedingungen?


Gleichwohl beruhigen wir uns gern mit der Idee, dass das Bekannte reicht. Dass das Sichtbare genügt. Dass das, was war, auch das ist, was bleibt. Und organisieren unsere Zufälle so, dass sie bitte nichts infrage stellen.


Doch manchmal wird es still. Nicht dramatisch. Nur leise.

Und in dieser Stille merkt man: Da ist mehr als das, was gerade drückt. Mehr als das, was fehlt. Mehr als das, was wir erklären können.


Vielleicht ist Glauben genau das: kein Wissen, sondern ein Lauschen. Kein Beweis, sondern ein Vertrauen. Kein Fluchtweg, sondern eine andere Perspektive auf dasselbe Dasein.


Und vielleicht ist das Leben manchmal genau wie dieser Mutterleib: eng, vertraut, notwendig – aber nicht das letzte Wort.


Manchmal reicht es, ganz still zu werden.

Nicht um Antworten zu erzwingen.

Sondern um zu hören, dass da etwas ruft.


Nicht von oben.

Sondern von weiter.

 
 
 

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