Schatten sind kein Argument
- christophmatthes86
- 16. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Menschen, die nennt man „schwierig“.
Und es gibt Begegnungen, nach denen man weiß: Das war kein Gespräch. Das war eine Abbuchung.
Wenn dich jemand regelmäßig stresst, ist das kein zwischenmenschliches Thema.
Das ist ein Preis. Und irgendwer zahlt ihn. Meist du.
Interessanterweise erkennt man Energieräuber nicht daran, dass sie böse wären. Die meisten kommen ganz harmlos daher. Nett sogar. Höflich. Manchmal engagiert. Man erkennt sie daran, dass man nach jedem Kontakt ein bisschen weniger man selbst ist. Mehr Erklärungen. Mehr Grübeln. Mehr Rechtfertigung. Weniger Fokus. Weniger Ruhe. Weniger Atem.
Ab diesem Punkt wird es eigentlich simpel – auch wenn es sich nicht leicht anfühlt.
Denn wer dein Nervensystem verwaltet, verwaltet dein Leben.
Und das sollte niemand sein, der Chaos bringt.
Man muss niemanden hassen. Wirklich nicht.
Aber Konsequenz ist kein Mangel an Liebe, sondern ein Akt von Selbstachtung. Kein Zugang zu dir, wenn danach repariert werden muss. Kein Platz in der ersten Reihe, wenn die Anwesenheit dich innerlich in den Pausenraum schickt. Manche Menschen verdienen nicht die erste Reihe. Manche gehören nicht mal in den Raum. Nicht aus Arroganz. Aus (Gedanken)Hygiene.
Und ja, das klingt hart. Aber Frieden ist kein Wellnessprodukt. Er ist Führungsarbeit.
Irgendwann dämmert eine unbequeme Wahrheit: Man macht nichts falsch, wenn Menschen einen nicht mögen.
Im Gegenteil. Oft passiert genau das dann, wenn jemand im Einklang ist. Wenn die eigene Wahrheit nicht mehr gedimmt wird. Wenn das innere Licht nicht mehr auf Energiesparmodus läuft.
Dann kommen sie, die Kommentare.
„Irgendwie wirkt das falsch.“
„Ganz schön arrogant.“
„Was ist denn plötzlich los?“
„Wieso diese Selbstdarstellung?“
Früher hätte man sich zurückgezogen. Leiser gemacht. Angepasst. Vielleicht sogar zerbrochen. Heute weiß man: Das ist kein persönliches Scheitern. Das ist der Preis von Klarheit.
Denn echte Klarheit erzeugt immer Spannung.
Wo Licht ist, werden Schatten sichtbar. Nicht, weil das Licht angreift – sondern weil es existiert.
Nicht jeder wird das feiern. Nicht jeder wird das verstehen. Und das ist in Ordnung. Es ist nicht deine Aufgabe, für alle angenehm zu sein. Das ist auf Dauer anstrengend, unwürdig und ehrlich gesagt unhaltbar. Wer versucht, überall zu passen, verliert irgendwann die eigene Form.
Die alte Versuchung lautet: „Wenn mich nur alle mögen.“
Die reifere Wahrheit sagt: Du brauchst nicht mehr, dass dich jeder mag. Sonst brauchst du dich selbst irgendwann nicht mehr.
Was es braucht, ist volle Identität.
Volle Würde.
Ohne Erklärungspflicht.
Und irgendwo zwischen diesen Zeilen beginnt Freiheit. Still. Unaufgeregt. Tragfähig.
Religiös gesprochen – ohne Kanzelton – ist das übrigens kein neuer Gedanke. Licht wurde noch nie dafür gemacht, sich zu entschuldigen. Es wurde gemacht, um zu leuchten. Und Feuer war nie dazu da, sich kleiner zu machen, nur weil es blendet.
Man darf nicht aufhören zu brennen, nur weil es anderen zu hell wird.
Man darf nicht leiser werden, nur weil Klarheit irritiert.
Frieden schützt man nicht, weil man weich ist.
Sondern weil man führt.
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