Bestenfalls
- christophmatthes86
- vor 7 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Der rote Faden wird überschätzt.
Wirklich.
Er ist etwas für Präsentationen, Beziehungsratgeber und Menschen, die glauben, das Leben müsse sich bitte vorher anmelden.
Dabei ist das Leben eher so: Es klingelt nicht. Es fällt rein. Mit Schuhen.
Vielleicht geht es gar nicht um den roten Faden.
Vielleicht geht es um den Fall.
Und zwar nicht den Sturz, sondern den besten Fall.
Den Moment, in dem man aufhört, sich krampfhaft zu halten – und sich fallen lässt.
Bestenfalls.
Das klingt riskant, ist aber erstaunlich biblisch.
Nicht im Sinne von Donner, Gebotstafeln und moralischer Überlegenheit.
Sondern eher so: Lass los. Ich hab dich.
Ein Satz, der selten erklärt wird, aber erstaunlich oft trägt.
Der beste Fall ist nämlich nicht der, in dem alles klappt.
Sondern der, in dem man merkt:
Ich falle – und werde gehalten.
Nicht spektakulär. Eher unauffällig. Wie ein Geländer, das man erst bemerkt, wenn man sich anlehnt.
Und vielleicht ist genau das der Punkt:
Nicht alles braucht einen Plan.
Nicht alles einen Sinn.
Manches braucht nur Vertrauen. Oder wenigstens die Bereitschaft, nicht sofort gegenzusteuern.
Sich bestmöglich fallen lassen heißt ja nicht, alles egal zu finden.
Es heißt nur, nicht ständig gegen sich selbst zu kämpfen.
Nicht jede innere Unruhe gleich zu therapieren.
Nicht jede Leere sofort zu füllen – mit Terminen, Meinungen oder Kaffee.
Denn nur wenn man selbst einigermaßen in der eigenen Mitte sitzt – nicht geschniegelt, nicht erleuchtet, sondern ehrlich – kann man anderen guttun.
Das ist kein esoterischer Kalenderspruch, sondern ziemlich gut erforscht: Nervensysteme lesen einander schneller als Worte.
Wer innerlich auf Anschlag lebt, verteilt Stress wie Konfetti.
Wer in sich ruht, senkt den Puls im Raum – ganz ohne Anleitung.
Und andersherum ist es genauso wahr: Wer mit sich selbst im Clinch liegt, wird früher oder später mit anderen kollidieren.
Nicht aus Bosheit. Sondern aus innerem Stolpern.
Vielleicht ist das Leben deshalb weniger Linie und mehr Fallbewegung.
Ein ständiges Loslassen, Aufgefangenwerden, Neujustieren.
Manchmal elegant. Manchmal holprig.
Manchmal mit Gottvertrauen. Manchmal nur mit dem Gedanken: Es wird schon irgendwie halten.
Bestenfalls.
Der beste Fall ist nicht perfekt.
Aber er ist weich genug, um nicht zu zerbrechen.
Und vielleicht ist das schon Gnade genug.
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