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Du bist sicher genug

  • christophmatthes86
  • 12. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Auch wenn es sich nicht so anfühlt.

Sicherheit kündigt sich selten mit Feuerwerk an. Sie kommt eher wie ein leises „Du kannst jetzt“, irgendwo zwischen Müdigkeit und Klarheit. Kein Applaus. Kein Zertifikat. Nur dieses innere Nicken, das sagt: Ich halte nicht mehr fest, weil es gut ist – sondern nur noch, weil ich es kenne.


Das Universum – oder Gott, oder wie auch immer man das nennt, was größer ist als unsere To-do-Listen – hat derweil längst angefangen, im Hintergrund Möbel zu rücken. Weichen zu stellen. Türen anzulehnen. Nicht aufzureißen, wohlgemerkt. Nur so weit, dass man merkt: Hier zieht es ein bisschen.


Und wir? Wir nennen das dann Zufall. Oder Krise. Oder Pech. Dabei ist es manchmal schlicht Umbauphase.


Loslassen fühlt sich ja immer erst mal nach Verlust an.

Nach Leere. Nach Kontrollverlust. Nach: Das kann ich doch jetzt nicht machen.

Dabei übersieht man leicht: Alles, was ich verliere, schafft Raum. Raum für das, was ich wirklich brauche. Oder zumindest für das, was endlich wieder atmen darf.


Manche Dinge gehen nicht, weil sie falsch waren.

Sondern weil sie fertig sind.


Und dann gibt es da dieses Bild mit dem Zug.

Je länger man im falschen Zug sitzt, desto teurer wird die Rückfahrt.

Nicht finanziell – das wäre ja noch überschaubar. Sondern innerlich. In Energie. In Lebenszeit. In diesem diffusen Gefühl, ständig unterwegs zu sein und trotzdem nie anzukommen.


Das Absurde: Man merkt oft ziemlich früh, dass man falsch sitzt.

Aber man bleibt.

Weil man schon so lange sitzt.

Weil man den Platz kennt.

Weil man die Mitreisenden kennt.

Weil Aussteigen nach Umwegen riecht und Umwege nach Scheitern.


Dabei ist Umsteigen keine Niederlage.

Es ist Navigation.


Vielleicht braucht es dafür sogar ein kleines bisschen Spaß an der Planlosigkeit.

Nicht im Sinne von Egal-Haltung, sondern als bewusste Entscheidung, nicht alles zu kontrollieren. Nicht jede Kurve vorab zu kennen. Manchmal reicht es, zu wissen: So wie es gerade läuft, läuft es nicht mehr richtig.


Ein Navi würde an dieser Stelle übrigens keine Grundsatzdebatte eröffnen.

Es würde nicht fragen, warum man falsch gefahren ist.

Es würde keine Schuld verteilen, keine Vergangenheit sezieren.


Es würde nur sagen:

Route wird neu berechnet.


Vielleicht ist das diese wunderbare Leere, vor der wir uns so gern fürchten.

Nicht das Nichts – sondern der Moment, in dem nichts mehr festgehalten werden muss.

Heute mache ich mir keine Sorgen. Nicht, weil sie weg sind, sondern weil sie warten können.


Vielleicht ist genau das der Punkt:

Loslassen ist kein Risiko mehr, sondern Konsequenz.

Nicht aus Übermut. Sondern aus Reife.


Ich falle nicht.

Ich lasse fallen.


Und vielleicht ist Vertrauen genau das:

Nicht zu wissen, wo man ankommt –

aber zu ahnen, dass man nicht mehr dort bleiben muss, wo man sich selbst verloren hat.


Manchmal ist der Neubeginn kein Sprung.

Sondern einfach das Aufstehen vom Sitzplatz.

 
 
 

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