Gehalten im Bleiben und Gehen
- christophmatthes86
- 25. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Dez. 2025
Ein Kind, das nicht von ihm war.
Ein Weg, der anders verlief als angekündigt.
Ein Leben, das sich nicht erklären ließ, ohne dass andere mitredeten.
Josef hätte viele Gründe gehabt zu gehen.
Er blieb.
Nicht, weil alles klar, einfach und schön war.
Sondern weil Verantwortung manchmal dort beginnt,
wo Gewissheit fehlt.
Er war nicht der leibliche Vater.
Aber er war da.
Hat getragen, geschützt, organisiert, geschwiegen.
Und akzeptiert, dass immer wieder von dem Vater gesprochen wurde – nur nicht von ihm.
Vielleicht war genau das seine Stärke:
sich einzubringen, ohne Besitzanspruch.
Zu lieben, ohne Absicherung.
Zu bleiben, ohne Garantie.
Familie entsteht nicht durch Blut.
Sie entsteht durch Verlässlichkeit.
Durch Menschen, die bleiben, wenn es kompliziert wird.
Durch Alltage, die niemand feiert – aber die alles entscheiden.
Doch nicht jede Herkunft trägt.
Nicht jede Verbindung nährt.
Manche Beziehungen heißen Familie und entziehen dennoch Kraft.
Weil Nähe durch Kontrolle ersetzt wird.
Weil ständige Korrektur Vertrauen verdrängt.
Weil Verantwortung immer nur eingefordert, aber nie geteilt wird.
Dann darf man gehen.
Nicht aus Härte.
Sondern aus Klarheit und Selbstschutz.
Manche Schnitte bluten seeeehr lange.
Aber sie verhindern, dass man immer wieder an derselben Stelle verletzt wird.
Und es gibt andere Bande.
Unerwartete.
Ungeplante.
Menschen, die eigentlich überhaupt nicht dazugehören müssten – und es trotzdem tun.
Weil sie zuhören.
Weil sie tragen.
Weil sie bleiben, ohne zu fordern.
Manchmal findet einen Familie, ohne dass man sie gesucht hat.
Nicht laut.
Nicht mit großen Gesten.
Sondern leise, im Alltag.
Menschen treten ins Leben, ohne Anspruch, ohne Geschichte, ohne Verpflichtung.
Und bleiben.
Sie hören zu, wo andere erklären.
Sie fragen, wo früher bewertet wurde.
Sie tragen mit, ohne aufzurechnen.
Plötzlich entsteht etwas, das keinen Stammbaum braucht.
Keine gemeinsame Vergangenheit.
Nur Gegenwart.
Vielleicht ist das das eigentliche Geschenk: dass Nähe wachsen kann, wo man nichts erwartet hat.
Und dass Familie manchmal dort beginnt, wo Loyalität freiwillig ist.
Die heilige Familie war kein Idealbild.
Sie war ein Bündnis.
Aus Vertrauen.
Aus Entscheidung.
Aus täglichem Ja.
Familie ist kein Zufall der Gene, sondern eine Entscheidung im Alltag.
Und vielleicht ist genau das das eigentlich Heilige daran.
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