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Gleichwohl – über die Organisation von Zufällen und das Gewicht des Schönen

  • christophmatthes86
  • 18. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Es gibt Wörter, die wir vorschnell missverstehen.

„Schwerwiegend“ zum Beispiel. Es klingt nach Schuld, nach Aktenvermerken, nach Dingen, die man lieber klein hält.


Gleichwohl geht es dabei nur um Gewicht.

Und vielleicht ist es an der Zeit, dem Schönen (s)ein Gewicht (zurück)zugeben.


Denn was wirklich zählt, ist selten leicht. Es legt sich nicht obenauf, es sinkt ein. Bleibt. Verschiebt den Schwerpunkt. Schöne Erlebnisse dürfen schwer wiegen – nicht, weil sie mühsam sind, sondern weil sie Bedeutung haben.


Leicht nehmen heißt nicht, alles zu verharmlosen.

Und nicht einfach machen heißt nicht, sich zu verweigern. Es heißt, aufmerksam zu bleiben, wo Dinge sich verändern. Auch dort, wo sie nicht laut zerbrechen, sondern leise auslaufen.


Manchmal wird nichts offen verhindert.

Manchmal fast diabolisch im Hintergrund allerdings schon.

Es wird gebremst, bekämpft.

Es versandet – mal bewusst, mal gewollt, mal aus Versehen.


Ein bisschen Verzögerung hier.

Ein „freundlicher" Hinweis dort.

Alles gut gemeint. Als Dienst verpackt. Als Schutz. Als bewahrende Hand auf etwas, das längst nicht mehr trägt. Beziehungen, die einmal gesetzt waren, wirken wie in Stein gemeißelt – und genau darin liegt ihr Stillstand.


Gleichwohl ist diese Art des Festhaltens (selten) böse. Sie tarnt sich als Loyalität. Als Freundschaft. Als Verantwortung. Und übersieht dabei, dass Nähe nicht bewahrt wird, indem man Bewegung verhindert.


Vielleicht ist das der Punkt, an dem sich Wege trennen – nicht im Streit, sondern im Schweigen. Nicht im Knall, sondern im langsamen Versickern. Manches nennt man dann Gewohnheit. Anderes Vergangenheit. Und manches, sehr leise, Ende.


Und während dort Sand rieselt, ordnet sich anderswo etwas neu.


Fast unauffällig.

Ungeplant.

Wie zufällig.


Man könnte das Zufall nennen. Oder Fügung. Oder die Organisation von Zufällen. Gott. Universum. Karma. Die Bezeichnungen wechseln, das Muster bleibt: Dort, wo man loslässt, entsteht Raum. Dort, wo etwas endet, beginnt etwas, das noch keinen Namen trägt.


Nicht immer sofort.

Nicht mit Etikett.

Aber mit Richtung.


Neue Verbundenheit entsteht selten aus Planung. Eher aus Offenheit. Aus dem Mut, nicht alles zu konservieren, was einmal selbstverständlich war. Vielleicht auch aus dem Vertrauen, dass Freundschaft oder Liebe – in welcher Form auch immer – kein Denkmal braucht, sondern Bewegung.


Am Ende erinnern wir uns nicht an das, was verhindert wurde.

Nicht an das, was versandet ist.

Nicht an das, was aus Pflicht gehalten wurde.


Was bleibt, sind die Momente mit Gewicht.

Die, die tragen.

Die, die sich richtig anfühlen – gleichwohl sie nicht leicht waren.


Und vielleicht ist genau das Weisheit: Die eigene Kraft nicht dafür zu verwenden, Dinge in Form zu halten, die längst auslaufen.

Sondern dafür, dass Neues entstehen darf.


Alles andere regelt sich erstaunlich oft von selbst.

 
 
 

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