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The same procedure as every year?
Acht Jahre Hülfensberg. Vierzig Kilometer, die sich irgendwann nicht mehr wie Strecke anfühlen, sondern wie Gewohnheit. Der Körper weiß, wann es zieht, wann es leicht wird. Man fährt los, weil man es immer so gemacht hat. Weil Rituale tragen. Und vielleicht auch, weil man sie irgendwann nicht mehr hinterfragt. Dieses Jahr war es anders. Nicht äußerlich. Der Weg war derselbe, das Ziel auch, die Messe sowieso. Aber irgendetwas hat sich verschoben. Nicht im Ablauf. Im Blick. Vie
christophmatthes86
3. Apr.3 Min. Lesezeit
Flügel
Ein Schmetterling sieht seine eigenen Flügel nicht. Das ist kein schönes Bild, das ist einfach eine Grenze. Er fliegt, ohne zu sehen, was ihn trägt. Und vielleicht ist genau das näher an uns dran, als uns lieb ist. Ich habe lange geglaubt, es seien die anderen. Die, die stören, die kommentieren, die irgendwo im Hintergrund sitzen wie eine Krähe und nicht aufhören zu hacken. Man kennt das – Worte, die nicht fragen, sondern treffen. Blicke, die mehr sagen als sie sollten. Und i
christophmatthes86
28. März2 Min. Lesezeit
Höhe
Neulich bin ich über eine dieser Geschichten gestolpert, die man sofort versteht und gerade deshalb ein bisschen misstrauisch machen. Ein Adler. Eine Krähe. Die Krähe wagt etwas, was sonst keiner tut. Sie setzt sich auf den Rücken des Adlers. Hackt. Stört. Bleibt. Unnachgiebig. Man kennt solche Situationen. Nicht aus der Tierwelt. Aus Gesprächen. Aus Kommentarspalten. Aus Sitzungen. Aus diesem einen Moment, in dem plötzlich nicht mehr zählt, was gesagt wird – sondern nur noch
christophmatthes86
26. März2 Min. Lesezeit
Genug.
Neulich stand ich im Supermarkt vor einem Regal, das so voll war, dass man eigentlich nichts mehr hätte dazustellen können. Drei Sorten wurden plötzlich zu dreißig. Aus Auswahl wurde Überforderung. Und während ich da stand, hörte ich hinter mir jemanden sagen: „Irgendwie ist nichts dabei.“ Man möchte darüber lachen. Wirklich. Bis man merkt, dass das kein Problem des Regals ist. Sondern unseres. Wir leben in einer Zeit, in der alles da ist – und trotzdem fühlt es sich oft nach
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25. März3 Min. Lesezeit
Hätte, wäre, wenn
„Hätte ich damals …“ Erstaunlich viele Geschichten beginnen mit diesem Satz. Hätte ich den Job angenommen. Hätte ich früher angefangen zu laufen. Hätte ich dieses eine Gespräch anders geführt. Hätte ich mehr Mut gehabt. Manchmal ist dieses „hätte“ harmlos. Eine kleine gedankliche Spielerei auf dem Sofa der Vergangenheit. Doch manchmal baut sich daraus eine ganze Parallelwelt. Eine Welt, in der alles besser gelaufen wäre. Der richtige Satz zur richtigen Zeit. Die richtige Ents
christophmatthes86
24. März3 Min. Lesezeit
Trotzdem
Es gibt Sätze, die passen nicht zur Situation. Sie stehen im Raum wie ein leiser Widerspruch. Nicht laut genug, um dagegen zu argumentieren, aber stark genug, um zu irritieren. „Herr, wärst du hier gewesen…“ Das ist kein frommer Satz. Das ist ein ehrlicher. Einer, der gleichzeitig glaubt und zweifelt, vertraut und klagt, festhält – und doch nicht versteht. Vielleicht sind genau das die Sätze, an denen sich entscheidet, woran wir wirklich glauben. Denn es gibt diese Momente, i
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22. März4 Min. Lesezeit
Die Dinge, die nicht da sind
Ich habe einen Test gemacht. Zwei Sekunden Zeit. Merke dir drei blaue Dinge auf einem Bild zu merken. Los geht’s. Zwei Sekunden sind schneller vorbei, als man denkt, und dann diese unscheinbare Frage, fast schon beiläufig: Was war gelb? Die meisten zögern. Nicht lange. Eher irritiert. So, als hätte man etwas überhört, das eigentlich nicht gesagt wurde. Und genau das ist der Punkt: Das Gelbe war da. Mitten im Bild. Nicht versteckt, nicht am Rand, nicht besonders kreativ getarn
christophmatthes86
22. März4 Min. Lesezeit
Immer zu wenig
Neulich beobachtete ich in einem Café einen Mann, der auf sein Handy schaute, die Stirn runzelte und leise sagte: „Na toll. Das war ja klar.“ Mehr war nicht passiert. Ein Blick auf ein Display. Ein paar Worte auf einem Bildschirm. Aber in seinem Kopf lief bereits ein ganzer Film. Wahrscheinlich keiner mit Happy End. Das Erstaunliche daran ist nicht, dass so etwas passiert. Das Erstaunliche ist, wie schnell wir das alle können. Kaum erscheint ein Ereignis in unserem Leben, beg
christophmatthes86
15. März3 Min. Lesezeit
Licht im Getriebe
Die meisten Menschen kennen ihre Trigger. Die wenigen kennen ihre Glimmer. Und noch weniger kennen ihre Flügel. Der Unterschied zwischen diesen dreien entscheidet manchmal darüber, ob ein Tag schwer wird – oder leicht. Wir leben in einer Zeit, in der alles eilig ist. E-Mails eilig, Meinungen eilig, Antworten eilig. Selbst Erholung hat inzwischen einen Termin. Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Stress unserer Tage: dass wir ständig versuchen, mit der Geschwindigkeit
christophmatthes86
14. März4 Min. Lesezeit
Ultimativ gedacht
Neulich bekam ich eine Sprachnachricht, die – so denke und hoffe ich – eigentlich sehr nett gemeint war. Einer dieser Sätze, bei denen man sofort merkt: Da wollte jemand etwas besonders Schönes sagen. „Ich denke ultimativ an dich.“ Ich musste kurz schmunzeln. Nicht wegen der Botschaft – die war wirklich freundlich –, sondern wegen dieses einen Wortes. Ultimativ. Ein Wort, das heute klingt wie die höchste Stufe der Begeisterung. Der ultimative Burger. Der ultimative Urlaub. Di
christophmatthes86
13. März3 Min. Lesezeit
Unterwegs vergeben
Ein paar Tage später stehe ich wieder in Laufschuhen da. Der erste Schritt ist immer derselbe: ein kleines Zögern. Als müsste der Körper kurz prüfen, ob das wirklich eine gute Idee ist. Dann geht es los. Erst langsam. Der Atem sucht seinen Takt. Die Gedanken laufen noch kreuz und quer, als hätten sie vergessen, dass auch sie irgendwann einen Rhythmus finden müssen. Und irgendwo zwischen dem ersten Kilometer und dem Punkt, an dem der Körper merkt, dass er doch kann, taucht die
christophmatthes86
11. März2 Min. Lesezeit
Verkehrt
Neulich stand ich an einer Ampel, die schon länger rot war, als die Situation es eigentlich hergab. Kein Auto weit und breit. Nur ein paar Menschen, die auf dieses kleine rote Männchen starrten, als hätte es die Ordnung der Welt persönlich zu verantworten. Einer ging schließlich los. Nicht trotzig. Nicht demonstrativ. Er ging einfach. Sofort dieses leise Raunen: „Das ist doch verkehrt.“ Ein interessantes Wort. Denn eigentlich bedeutet es: falsch. Aber wenn man genauer hinsieh
christophmatthes86
9. März2 Min. Lesezeit
Warum zwei Masken der Erlösung dieselbe Geschichte erzählen
Wer einmal bewusst nebeneinanderlegt, wie Purim gefeiert wird und wie sich in Europa der Karneval entwickelt hat, stößt auf eine irritierende Beobachtung: Zwei Feste aus völlig unterschiedlichen religiösen Traditionen wirken erstaunlich ähnlich. Beide sind laut, bunt, übermütig, voller Masken, Parodien und einer Atmosphäre, in der gesellschaftliche Regeln für kurze Zeit außer Kraft gesetzt scheinen. Autoritäten werden verspottet, Rollen werden vertauscht, und ausgerechnet der
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6. März4 Min. Lesezeit
Iron Dome der Seele
Manchmal sagt ein Kulturfestival mehr über ein Land aus als ein Regierungsprogramm. Politik beschreibt, was beschlossen wurde. Kultur zeigt, wer wir sind. Oder vielleicht noch genauer: wer wir sein wollen. Gerade zwischen Purim und Pessach liegt dafür eine eigenartige Zeit. In den alten Schriften beginnt mit dem Monat Adar etwas Ungewöhnliches: Die Freude soll wachsen. Nicht, weil alles gut ist. Sondern weil sie eine Entscheidung ist. Das wirkt zunächst paradox. Die Nachricht
christophmatthes86
6. März3 Min. Lesezeit
Frisst Frust Frist oder Lust?
Es gibt Tage, da merkt man: Das sind keine Nerven mehr. Das ist eine Zündschnur. Man erkennt den Unterschied daran, dass sie nicht plötzlich brennt. Sie glimmt. Langsam. Millimeter für Millimeter. Und jedes Mal denkt man: Ach, wird schon wieder ausgehen. Bis man merkt, dass jemand immer wieder mit dem Feuerzeug danebensteht. Viele nennen das dann mangelnde Frustrationstoleranz. Als müsste man nur lernen, mehr auszuhalten. Mehr Geduld. Mehr Gelassenheit. Als wäre Frust eine Ar
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4. März3 Min. Lesezeit
Kein Zurück vom Schritt zurück
Es gibt Entscheidungen, die wirken wie ein Rückzug – und sind in Wahrheit ein Anlauf. Ein Schritt zurück ist nicht automatisch Kapitulation. Manchmal ist er die einzige Möglichkeit, um wieder Schwung zu holen. Wer schon einmal Hochsprung gesehen hat, weiß: Niemand springt aus dem Stand über zwei Meter. Man geht zurück. Man misst den Abstand. Man fokussiert. Und dann läuft man. Es gibt diese seltsame Angst in uns, dass Zurückgehen Schwäche bedeutet. Als würde nur derjenige gew
christophmatthes86
2. März2 Min. Lesezeit
Bescheren statt beschweren
Es ist erstaunlich, wie nah sich zwei Wörter sein können – und wie weit ihre Wirkung auseinanderliegt. Beschweren. Bescheren. Ein einziger Buchstabe entscheidet, ob wir Gewicht verteilen oder Geschenk werden. Beschweren ist einfach. Es braucht keine Leichte oder Kreativität, nur Wiederholung. Man zählt auf, was fehlt. Wer schuld ist. Was anders laufen müsste. Beschweren verschafft kurzfristig Erleichterung – und langfristig Schwere. Denn jedes Mal, wenn wir uns beschweren, le
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27. Feb.2 Min. Lesezeit
Sehnsucht
Sehnsucht klingt harmlos. Fast poetisch. Ein Wort für Sonnenuntergänge, alte Lieder und Züge, die abfahren. Dabei ist Sehnsucht nichts Zartes. Sie ist eine innere Dehnung. Das Wort trägt es schon in sich: sich sehnen – sich strecken, sich länger machen, als man gerade ist. Sehnsucht ist ein Herz, das über seine Ränder hinaus will. Vielleicht beginnt alles mit einer sehr schlichten Sucht: der Sucht, gesehen zu werden. Nicht bemerkt. Nicht bewertet. Nicht verwaltet. Sondern erk
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22. Feb.3 Min. Lesezeit
Wenngleich der Riss trägt
Überall stehen Burgen, Gebäude und Kirchen, älter als unsere Diskussionen. Mauern, die Kriege, Grenzlinien und Ideologien gesehen haben. Wer genau hinsieht, entdeckt sie überall: Risse. Nicht spektakulär, aber real. Und dennoch stehen diese Mauern. Sie tragen – wenngleich sie Spannungen in sich tragen. Niemand käme auf die Idee, sie einzureißen, nur weil der Stein gesprungen ist. Wir nennen es Geschichte. Charakter. Patina. „Wenngleich“ ist kein billiges Trotzdem. Es ist ein
christophmatthes86
21. Feb.3 Min. Lesezeit
Wer sind wir, wenn wir die Masken wieder ablegen?
Mit dem Aschermittwoch endet die fünfte Jahreszeit. Für viele Karnevalisten ist er so etwas wie der Karfreitag ihres Übermutes: Die Musik verstummt, das Kostüm wandert in den Schrank, die Bühne wird wieder Alltag. Wochenlang war Karneval mehr als Ausgelassenheit. Er war Hoffnung in der dunklen Jahreszeit. Ein (halb)Marathon des Übermutes. Ein kollektives Durchatmen in Zeiten, die oft schwer genug sind. Man lacht lauter, als man müsste. Man tanzt länger, als vernünftig wäre. M
christophmatthes86
18. Feb.3 Min. Lesezeit
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