Bescheren statt beschweren
- christophmatthes86
- 27. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Es ist erstaunlich, wie nah sich zwei Wörter sein können – und wie weit ihre Wirkung auseinanderliegt.
Beschweren.
Bescheren.
Ein einziger Buchstabe entscheidet, ob wir Gewicht verteilen oder Geschenk werden.
Beschweren ist einfach. Es braucht keine Leichte oder Kreativität, nur Wiederholung. Man zählt auf, was fehlt. Wer schuld ist. Was anders laufen müsste. Beschweren verschafft kurzfristig Erleichterung – und langfristig Schwere. Denn jedes Mal, wenn wir uns beschweren, legen wir innerlich nach. Stein auf Stein.
Bescheren dagegen ist anspruchsvoller. Wer beschert, gibt. Zeit. Wärme. Aufmerksamkeit. Nachsicht. Vielleicht sogar Flügel der Hoffnung. Bescheren heißt: Ich lasse mich nicht von der Schwere bestimmen, sondern von dem, was ich trotzdem in diese Welt hineinlege.
Und irgendwo dazwischen entstehen unsere Gedanken.
Gedanken können sich nächtelang im Kreis drehen. Sie können An- und Ausklage sein. Oder Anfang. Es ist kein Zufall, dass im Ge-danken ein Danke steckt. Dankbarkeit beginnt nicht im Außen. Sie beginnt zwischen den Ohren. Erst als Erscheinung und wird bestenfalls zur Entscheidung. Als Perspektivwechsel. Als leises Trotzdem.
Natürlich gibt es Enttäuschungen. Aber vielleicht ist Ent-täuschung mehr als Schmerz. Vielleicht ist sie das Ende der Täuschung. Das Ende falscher Erwartungen. Das Ende von Bildern, die nie real waren. Enttäuschung klärt. Sie tut weh, aber sie macht wahr. Und Wahrheit ist leichter zu tragen als Illusion.
Auch Zumutungen gehören dazu. In der Zu-mutung steckt der Mut. Manchmal wächst Mut genau dort, wo uns etwas zugemutet wird. Nicht alles ist angenehm. Nicht alles gerecht. Aber manches formt uns gerade durch die schonungslose Reibung. Wer nur das Leichte sucht, bleibt leicht verletzbar.
Und dann ist da noch das Ver-trauen. Im Vertrauen steckt das Trauen. Sich trauen, nicht jede Kränkung zu speichern. Sich trauen, nicht auf jede Provokation zu reagieren. Sich trauen, größer zu denken als den eigenen Ärger. Vertrauen heißt nicht Naivität. Es heißt: Ich lasse mich nicht von Misstrauen regieren.
Vielleicht halten wir vieles für wichtig, was gar nicht richtig ist. Vielleicht ist der Freitag nur dann ein Freutag, wenn wir ihn nicht als Fluchtpunkt, sondern als Geschenk lesen. Vielleicht beginnt Verantwortung genau dort, wo wir aufhören zu klagen – und anfangen zu antworten oder uns wenigstens wundern.
Beschweren macht schwer.
Bescheren macht weit, weich und beflügelt.
Und manchmal liegt zwischen beidem nur ein einziger Buchstabe.
Und eine Entscheidung.
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