top of page

Kein Zurück vom Schritt zurück

  • christophmatthes86
  • 1. März
  • 2 Min. Lesezeit

Es gibt Entscheidungen, die wirken wie ein Rückzug –

und sind in Wahrheit ein Anlauf.


Ein Schritt zurück ist nicht automatisch Kapitulation.

Manchmal ist er die einzige Möglichkeit, um wieder Schwung zu holen. Wer schon einmal Hochsprung gesehen hat, weiß: Niemand springt aus dem Stand über zwei Meter. Man geht zurück. Man misst den Abstand. Man fokussiert. Und dann läuft man.


Es gibt diese seltsame Angst in uns, dass Zurückgehen Schwäche bedeutet. Als würde nur derjenige gewinnen, der sich verbissen festhält. Dabei ist Festhalten nicht immer Treue. Manchmal ist es nur Angst vor dem Loslassen.


Ein Schritt zurück kann auch heißen:

Ich weiß, dass ich nicht alles für immer tragen muss.

Ich weiß, dass meine Kraft endlich ist – und genau deshalb wertvoll.

Ich weiß, dass Verantwortung nicht Besitz bedeutet.


Wer die Ziellinie kennt, läuft anders. Nicht hektischer. Klarer.


Plötzlich bekommt Zeit ein Gesicht. Sie ist nicht mehr diffuse Zukunft, sondern eine zweite Halbzeit. Und Halbzeiten haben eine Eigenschaft: Sie sind endlich. Niemand spielt ewig Verlängerung. Selbst die Jünger mussten lernen, dass Sendung nicht Dauerpräsenz heißt. „Es ist vollbracht“ ist kein Satz der Niederlage. Es ist der Satz eines erfüllten Auftrags.


Ironischerweise entsteht aus der Begrenzung Freiheit.

Weil Druck sich verwandelt.

Weil Erwartung zu Energie wird.

Weil Last zu Richtung wird.


Vielleicht ist genau das das Paradox:

Wer weiß, dass er nicht ewig bleiben wird, kann mutiger handeln.

Wer nicht mehr um sein Amt kämpft, kann für seine Aufgabe kämpfen.

Wer nichts mehr beweisen muss, kann endlich gestalten.


Manche nennen das einen Schritt zurück.

Andere nennen es Realismus.

Ich nenne es Anlauf.


Und Anlauf fühlt sich erstaunlich leicht an.


Es ist, als würde man die schwere Rüstung ablegen und merken, dass man eigentlich ziemlich schnell laufen kann. Dass man nicht langsamer wird – sondern freier. Dass Kritik weniger kratzt, wenn sie nicht mehr an der eigenen Zukunft nagt. Dass Entscheidungen klarer werden, wenn sie nicht mehr dem eigenen Machterhalt dienen.


Kein Zurück vom Schritt zurück.


Denn wer bewusst einen Rahmen setzt, gibt seiner Kraft Richtung.

Wer sich selbst begrenzt, entgrenzt seine Wirkung.

Wer weiß, wann Schluss ist, kann vorher alles geben.


Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Marathon und Endspurt:

Im Marathon teilt man sich die Kräfte ein.

Im Endspurt ruft man sie ab.


Und manchmal merkt man erst, wie viel noch da ist.


Ein Schritt zurück kann der lauteste Beweis von Vertrauen sein. Vertrauen darauf, dass das Werk größer ist als die Person. Vertrauen darauf, dass Führung nicht Festklammern bedeutet. Vertrauen darauf, dass Gott nicht nur im Anfang segnet, sondern auch im bewussten Ende.


Kein Zurück also.


Sondern:

ein Anlauf.

Ein Sprint.

Ein Endspurt.


Und wer dachte, die erste Halbzeit sei intensiv gewesen, der darf gespannt sein, was passiert, wenn Freiheit auf Entschlossenheit trifft.


Manchmal beginnt die stärkste Phase genau dort, wo man aufhört, sich festzuhalten.

 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
Licht im Getriebe

Die meisten Menschen kennen ihre Trigger. Die wenigen kennen ihre Glimmer. Und noch weniger kennen ihre Flügel. Der Unterschied zwischen diesen dreien entscheidet manchmal darüber, ob ein Tag schwer w

 
 
 
Ultimativ gedacht

Neulich bekam ich eine Sprachnachricht, die – so denke und hoffe ich – eigentlich sehr nett gemeint war. Einer dieser Sätze, bei denen man sofort merkt: Da wollte jemand etwas besonders Schönes sagen.

 
 
 
Unterwegs vergeben

Ein paar Tage später stehe ich wieder in Laufschuhen da. Der erste Schritt ist immer derselbe: ein kleines Zögern. Als müsste der Körper kurz prüfen, ob das wirklich eine gute Idee ist. Dann geht es l

 
 
 

Kommentare


bottom of page