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Wo Humor nicht verstummt – Gedanken über Demokratie, Verantwortung und Karneval
Es ist ein besonderer Moment, wenn sich Politik und Brauchtum begegnen. Nicht, weil wir heute die Rollen tauschen – keine Sorge, wir übernehmen nicht den Landtag oder die Staatskanzlei. Aber weil wir zeigen, dass Demokratie mehr ist als Debatte. Sie ist Begegnung. Sie ist Kultur. Sie ist gemeinsames Lachen. Und genau hier beginnt der Karneval. Karneval ist keine Flucht vor der Realität. Er ist ihr Seismograph. Wir nehmen wahr, was Menschen bewegt. Wir hören, wo es knirscht.
christophmatthes86
17. Feb.3 Min. Lesezeit
Geflissentlich
...ist so ein Wort, das aussieht, als hätte es sein Leben im Duden verbracht. Ordentlich, geschniegelt, ein bisschen nach Amtsstube. Und dann legt man es in einen Satz – und plötzlich steht man selbst darin. Barfuß. Mit diesem kleinen, unbequemen Lächeln im Mundwinkel, das sagt: Ich weiß genau, was ich tue. Es klingt nach Absicht. Nach Paragraph. Nach: Das war so geplant. Und genau da beginnt es zu reiben. Denn geflissentlich meint nicht kalt. Nicht berechnend. Sondern bewuss
christophmatthes86
8. Feb.3 Min. Lesezeit
Wenn die Füße schneller waren als die Seele
Laufen ist ein seltsames Phänomen. Es gilt als gesund, diszipliniert, bewundernswert. Wer viel läuft, hat sofort ein gutes Image. Niemand fragt nach Gründen. Kilometer zählen als Charaktereigenschaft. Dabei läuft kaum jemand einfach nur so. Man läuft, weil etwas drückt. Oder weil etwas still werden soll. Oder weil man Ordnung braucht – dringend, bitte sofort. Laufen ist die vielleicht gesellschaftsfähigste Art, mit sich selbst nicht ganz fertig zu sein. Am Anfang ist es fast
christophmatthes86
6. Feb.3 Min. Lesezeit
Am richtigen Ort
Manchmal fragt man sich wirklich, ob der Schöpfungsakt immer mit einem letzten Kontrollblick geendet hat. Nicht böse gemeint. Eher neugierig. Zum Beispiel beim Pinguin. Ein Vogel, der nicht fliegen kann. Das allein ist schon ein theologisches Statement. Flügel vorhanden, Himmel verpasst. Dafür Beine, die aussehen, als hätten sie sich im Baukasten verlaufen. An Land wirkt er wie eine Mischung aus formeller Abendgarderobe und leichter Überforderung. Er watschelt, als würde jede
christophmatthes86
3. Feb.3 Min. Lesezeit
Wie viele Sinne hat der Wahn?
Man sagt, der Mensch habe fünf Sinne. In besseren Ratgebern sind es sechs, in schlechteren siebzehn. Der Wahn hingegen hält sich nicht an solche Vorgaben. Er ist kein Organ, er ist ein Lebensgefühl. Er sammelt Eindrücke wie andere Pfandflaschen und behauptet anschließend, daraus ein System gebaut zu haben. Der Wahn hört Dinge, die nie gesagt wurden, aber gemeint gewesen sein könnten. Er ist der einzige, der den Unterton im Schweigen erkennt und sich dabei sicher ist, dass gen
christophmatthes86
2. Feb.3 Min. Lesezeit
Wenn Erinnerung stört
Man kann mit jedem reden. Das ist einer dieser Sätze, die gern dann fallen, wenn man nicht sagen will, worum es eigentlich geht. Natürlich kann man reden. Die Frage ist nur: Was wird dabei normalisiert? Es beginnt selten mit Hass. Hass wäre zu eindeutig. Zu laut. Zu bequem. Es beginnt mit einem Lachen. Nicht böse gemeint. Mit einem Augenrollen. Mit einem Satz, der hinten rausfällt, weil man ihn „ja wohl noch sagen darf“. Zum Beispiel am Tisch. Jemand erzählt von der einen Kol
christophmatthes86
30. Jan.5 Min. Lesezeit
Zumutung
Manche Wörter kommen mit schlechtem Ruf zur Welt. „Zumutung“ gehört definitiv dazu. Klingt nach Amtsstube, nach erhobenem Zeigefinger, nach Das ist jetzt halt so. Dabei ist das Wort viel zu schade für diesen Tonfall. Zu-muten. Nicht: überfahren. Nicht: brechen. Sondern: Mut zutrauen. Das ist erst einmal ein schöner Gedanke. Fast schon tröstlich. So schön, dass man ihm misstrauen sollte. Denn seien wir ehrlich: Die meisten Zumutungen fühlen sich nicht nach Wertschätzung an, so
christophmatthes86
28. Jan.3 Min. Lesezeit
Bestenfalls
Der rote Faden wird überschätzt. Wirklich. Er ist etwas für Präsentationen, Beziehungsratgeber und Menschen, die glauben, das Leben müsse sich bitte vorher anmelden. Dabei ist das Leben eher so: Es klingelt nicht. Es fällt rein. Mit Schuhen. Vielleicht geht es gar nicht um den roten Faden. Vielleicht geht es um den Fall. Und zwar nicht den Sturz, sondern den besten Fall. Den Moment, in dem man aufhört, sich krampfhaft zu halten – und sich fallen lässt. Bestenfalls. Das klingt
christophmatthes86
27. Jan.2 Min. Lesezeit
Wunderpunkt
Es gibt diesen Moment, da reicht ein Satz. Oder ein Blick. Oder jemand sagt etwas völlig Harmloses – und zack, innerlich Vollbremsung. „Bitte nicht da.“ Helm auf, Bauch rein, Ironie raus. Man kennt das ja. Man ist schließlich erwachsen. Das ist der wunde Punkt. Der reagiert schneller als jeder gute Vorsatz. Der braucht keinen Kontext, keine Einordnung, keine Nacht drüber schlafen. Der ist sofort da und übernimmt zuverlässig das Steuer. Rückzug. Rechtfertigung. Ein blöder Spru
christophmatthes86
25. Jan.3 Min. Lesezeit
Standard. Nicht Drama.
Meine Grenze ist kein Drama. Sie kommt ohne Soundtrack, ohne Träne im Augenwinkel und ohne pädagogisches Begleitheft. Sie ist ein Standard. So wie ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Oder Schwerkraft. Ich erkläre sie nicht fünfmal. Ich übersetze sie nicht in „weich“. Ich lackiere sie nicht rosa und binde keine Schleife drum, damit sie besser aussieht. Ich sage auch nicht mehr: „Ist ja eigentlich nicht so schlimm.“ Doch. Wenn es mich stresst, ist es schlimm genug. Punkt. Das ist kei
christophmatthes86
24. Jan.2 Min. Lesezeit
Glaubst du an ein Leben nach dem Davor?
Ich habe neulich eine Geschichte gehört, die blieb nicht einfach hängen. Sie setzte sich. Irgendwo zwischen Rippen und Gewissen. Eine dieser Geschichten, die man nicht weitererzählt, um klug zu wirken, sondern weil sie einen leise erwischt. Zwei Babys im Mutterleib. Das eine fragt: „Glaubst du an ein Leben nach der Geburt?“ Das andere zögert nicht: „Natürlich. Es muss etwas geben. Vielleicht sind wir hier nur in Vorbereitung.“ Das erste lacht. Ein kurzes, überlegenes Lachen.
christophmatthes86
22. Jan.2 Min. Lesezeit
Gleichwohl – über die Organisation von Zufällen und das Gewicht des Schönen
Es gibt Wörter, die wir vorschnell missverstehen. „Schwerwiegend“ zum Beispiel. Es klingt nach Schuld, nach Aktenvermerken, nach Dingen, die man lieber klein hält. Gleichwohl geht es dabei nur um Gewicht. Und vielleicht ist es an der Zeit, dem Schönen (s)ein Gewicht (zurück)zugeben. Denn was wirklich zählt, ist selten leicht. Es legt sich nicht obenauf, es sinkt ein. Bleibt. Verschiebt den Schwerpunkt. Schöne Erlebnisse dürfen schwer wiegen – nicht, weil sie mühsam sind, sond
christophmatthes86
18. Jan.2 Min. Lesezeit
Schatten sind kein Argument
Es gibt Menschen, die nennt man „schwierig“. Und es gibt Begegnungen, nach denen man weiß: Das war kein Gespräch. Das war eine Abbuchung. Wenn dich jemand regelmäßig stresst, ist das kein zwischenmenschliches Thema. Das ist ein Preis. Und irgendwer zahlt ihn. Meist du. Interessanterweise erkennt man Energieräuber nicht daran, dass sie böse wären. Die meisten kommen ganz harmlos daher. Nett sogar. Höflich. Manchmal engagiert. Man erkennt sie daran, dass man nach jedem Kontakt
christophmatthes86
16. Jan.2 Min. Lesezeit
Du bist sicher genug
Auch wenn es sich nicht so anfühlt. Sicherheit kündigt sich selten mit Feuerwerk an. Sie kommt eher wie ein leises „Du kannst jetzt“, irgendwo zwischen Müdigkeit und Klarheit. Kein Applaus. Kein Zertifikat. Nur dieses innere Nicken, das sagt: Ich halte nicht mehr fest, weil es gut ist – sondern nur noch, weil ich es kenne. Das Universum – oder Gott, oder wie auch immer man das nennt, was größer ist als unsere To-do-Listen – hat derweil längst angefangen, im Hintergrund Möbel
christophmatthes86
12. Jan.2 Min. Lesezeit
Nicht jeder Kommentar dient als Kompass
Es ist ja nicht so, dass Kritik per se das Problem wäre. Im Gegenteil. Gute Kritik ist selten, wertvoll und manchmal rettend. Sie kommt leise, bleibt sachlich und meint es gut, auch wenn sie weh tut. Man erkennt sie daran, dass man den Menschen dahinter ernst nimmt. Das Problem beginnt dort, wo Kritik von Menschen kommt, denen man niemals das Lenkrad seines Lebens in die Hand drücken würde. Und trotzdem hört man zu. Intensiv. Nachts. Mehrfach. Zehn Stimmen sagen: „Das war gut
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12. Jan.3 Min. Lesezeit
Das Gute findet zu dir
Es gibt Zeiten, in denen man sich selbst besser nicht zu genau ansieht. Nicht aus Feigheit. Nicht aus Verdrängung. Sondern aus Selbstschutz. Man ahnt, was dort liegt. Man spürt die Fragen, die man sich stellen müsste, wenn man ehrlich hinschaut. Und man weiß: Wenn ich das jetzt alles auf einmal zulasse, zieht es mir den Boden unter den Füßen weg. Also schaut man nicht. Noch nicht. Und das ist kein Scheitern. Es ist eine Pause. In solchen Phasen passiert etwas Merkwürdiges: M
christophmatthes86
9. Jan.3 Min. Lesezeit
Es hätte so wenig gebraucht.
Manchmal sind es ausgerechnet Lieder, die nicht trösten wollen, sondern nur leise nicken. So nach dem Motto: Ja. Genau das. Kein Drama. Kein großes Pathos. Nur dieser eine Satz, der hängen bleibt wie ein Krümel im Bettlaken, von einem Frühstück das gar nicht stattfand: It was all I ever asked of you. Was rückblickend fast unverschämt wirkt, ist nicht das, was gefehlt hat. Es ist die Peinlichkeit der Erkenntnis, dass es eigentlich nicht viel gewesen wäre. Kein Umzug. Keine The
christophmatthes86
3. Jan.2 Min. Lesezeit
Das Einserjahr
2026 wurde gerade ausgerufen. Mit Sternchen. Mit Zyklen. Mit Zahlen, die sich addieren, reduzieren und am Ende erstaunlich oft bei der Eins landen. Das Einserjahr. Der kosmische Neustart. Der Moment, in dem alles möglich sein soll – zumindest rechnerisch. Man kann das mögen. Oder skeptisch die Augenbraue heben. Oder beides gleichzeitig. Denn seien wir ehrlich: Der Mensch liebt Ordnung im Chaos. Wenn schon das Leben unübersichtlich ist, dann wenigstens das Jahr durchnummeriere
christophmatthes86
1. Jan.3 Min. Lesezeit
Wer loslässt hat die Hände frei
D er Jahreswechsel ist dieser eigenartige Moment, in dem man kurz glaubt, ab morgen wäre alles anders. Ordentlicher. Gesünder. Konsequenter. Als ließe sich das Leben mit einem neuen Kalenderblatt neu starten. Erfahrungsgemäß funktioniert das ungefähr so gut wie Neujahrsvorsätze aus Granit: beeindruckend formuliert, aber erstaunlich schwer zu bewegen. Vielleicht liegt genau dort das Missverständnis. Ein neues Jahr braucht nicht zwingend neue Ziele. Manchmal braucht es nur wen
christophmatthes86
1. Jan. 20262 Min. Lesezeit
Es ist, wie es ist
Manche Jahre fühlen sich nicht spektakulär an. Sie haben keinen klaren Bruch, keinen dramatischen Wendepunkt, keinen Moment, an dem man sagen könnte: Da ist es passiert. Sie laufen einfach. Und irgendwann merkt man, dass man selbst stehen geblieben ist, während alles andere erstaunlich laut an einem vorbeizieht. Dieses Jahr war so eines. Dienstlich war viel. Nicht außergewöhnlich, nicht heroisch, sondern schlicht notwendig. Verantwortung hatte Vorrang. Termine auch. Und
christophmatthes86
31. Dez. 20253 Min. Lesezeit
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