Dankbarkeit jenseits des Machbaren
- christophmatthes86
- 12. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Jahre, in denen man weiterkommt, als man es je geplant hätte. Nicht, weil alles richtig entschieden wurde. Nicht, weil alles kontrollierbar war. Sondern, weil getragen wurde – auch dort, wo man selbst gezögert hat.
Ein Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein Jahr, das zu Beginn keinen klaren Weg erkennen ließ. Nicht alles war leicht. Nicht alles sicher. Aber vieles ist gegangen – Schritt für Schritt.
Von Menschen. Von Geduld. Und von einem Vertrauen, das oft erst dann da war, als es gebraucht wurde.
Wir leben in einer Zeit, die Veränderung fast mit Fortschritt verwechselt. Mehr fordern gilt als Weiterkommen. Noch eine Aufgabe als Zeichen von Entwicklung. Und so liegt im ständigen Mehr oft die leise Annahme: Da ist noch Raum. Da ist noch Kraft. Da ist noch etwas unausgeschöpft.
Dabei übersehen wir, was bereits getragen wird. Was längst geleistet wurde. Wie viel Kraft schon eingesetzt ist – nicht aus Trägheit, sondern aus Treue.
Denn wer mehr verlangt, ohne zurückzublicken, unterstellt Stillstand, wo längst Bewegung war. Und wer immer nur nach vorne drängt, verliert das Gespür für das Maß.
„Prüft alles und behaltet das Gute.“ (1. Thess 5,21)
Vielleicht ist das gerade in bewegten Zeiten eine Mahnung. Nicht alles Neue ist notwendig. Nicht alles Bestehende ist überholt. Manches trägt – leise, aber verlässlich.
Fortschritt entsteht nicht nur durch neue Wege. Er entsteht durch Menschen, die bleiben. Die Verantwortung tragen, auch wenn sie müde sind. Die weitergehen, ohne sicher zu wissen, ob es reicht – und es doch tun.
Weihnachten unterbricht diesen Rhythmus. Nicht als Pause vom Leben, sondern als Erinnerung daran, dass nicht alles aus eigener Hand kommt. Dass Wachstum nicht erzwungen werden kann. Und dass Vertrauen oft dort beginnt, wo Kontrolle endet.
Dankbarkeit ist kein Rückzug. Sie ist eine Haltung. Eine, die sieht, was war, und anerkennt, was getragen hat – und trägt.
Manches musste wachsen. Manches durfte reifen. Und manches ist uns zugefallen, genau dann, als wir es nicht planen konnten.
Zwischen den Zeilen liegt der Trost: Dass wir nicht alles halten müssen.
Und die Mahnung: Das zu achten, was uns bis hierher getragen hat.
Vielleicht beginnt genau dort ein anderer Blick auf das Kommende.
Nicht getrieben vom Machbaren.
Sondern getragen von dem, was sich bewährt hat.
Von dem, was geblieben ist, als der Lärm leiser wurde.
Und von der leisen Gewissheit, dass nicht alles erklärt werden muss, um zu tragen.
Denn es trägt mehr, als wir sehen.
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